• Michèle Freiburghaus

Schnee vo geschter.


Es schneit in Bern, auch die Prognosen für nächste Woche sind eher be...scheiden. Klar, nichts ungewöhnliches Mitte März. Aber ich mag den Winter halt nicht so – und habe jetzt den Verleider. Wenn ich ehrlich bin, mag ich es eigentlich noch nicht mal wirklich, wenn alles “schön” weiss ist; denn viel zu schnell ist der Schnee von gestern bloss noch grauer Matsch. Weiss ist übrigens, laut Wikipedia, wie Schwarz und Grau, eine „unbunte“ Farbe und mir gefällts halt farbig – ist einfach abwechslungsreicher. Weiss ist zudem in China ein Symbol für Alter, Hinterlist und Trauer. Äbe.


So allmählich habe ich auch meine Tricks überstrapaziert, wie ich solchen Wintereinbrüchen begegne, um meine Laune zu heben. Kerzen, tropische Badezusätze, mit Kuscheldecke auf dem Sofa jede nur erdenkliche Sendung zu konsumieren, die im entferntesten mit Meer, Sonne und fremden Ländern zu tun hat und – last but not least – jeden/jede zu ignorieren, der auf Facebook unter dem Motto "Und ihr so?" hämisch Fotos postet, die ihn/sie in einem warmen Land zeigen – sogar in diesen Zeiten. Ich kenne natürlich welche, die kriegen sich vor Begeisterung jeweils kaum mehr ein, wenns schneit. Stehen schon im November in der Skikluft in den Startlöchern und/oder unternehmen frohlockend ausgedehnte Spaziergänge durchs neblige Grauweiss. Ich mag das weniger. Was bitte schön ist erhebend daran, durchgefroren bis auf die Thermo-Lingerie wahlweise durch den Matsch zu latschen oder bibbernd auf fremden Balkonen zu stehen, um eine Zigarette zu rauchen? Ich bin ein Sommermensch, glücklich, wenn mir in irgend einer – warmen – Form die Sonne auf den Pelz scheint. Ich will mich in der Aare treiben lassen, ich will – vor allem endlich wieder – im Pyri sitzen und kühlen Weisswein trinken, mich mit Freunden zum Grillen treffen, ich will während des Hundespaziergangs keine sieben Schichten am Leib tragen und ich will im Liegestuhl liegen und lesen. Und, Bern ist viel lebendiger, wenns warm ist, vor allem jetzt, da uns ja gar nichts anderes übrig bleibt, als unsere Aktivitäten nach Draussen zu verlagern. “Dann hau doch im Winter ab, in wärmere Gefilde” werdet ihr zu Recht einwenden. Ja klar doch, wenn das bloss so einfach wäre wie motzen… aber wer weiss, vielleicht nächste Saison? Einewäg. Alles hat einmal ein Ende. Auch der Schnee. „Nimms wies chunnt u lahs lah ga“. Und Vorfreude – auch auf den Berner Sommer 2021 – ist ja bekanntlich die schönste Freude – oder?

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