• Hans Markus Tschirren

Miniserie | Alte Mätteler erzählen

Einleitung:

Sechs Stadtteile gibt es in Bern - jeder unterteilt in einzelne Quartiere. Jedes hat dabei seinen besonderen Ruf: das vornehme Kirchenfeld mit den diplomatischen Vertretungen, Bethlehem im Westen Berns mit den Hoch häusern und vielen Ausländern, die Lorraine, das einstige Arbeiterquartier. Aber um keinen anderen Stadtteil ranken sich so viele Legenden wie um das Schwarze Quartier im Stadtteil 1: die Matte.

Hier, am Ufer der Aare, hatte sich im Mittelalter eine eigene kleine Welt entwickelt. Ein Biotop der Handwerker, der Schiffer und Fischer. Eine Gemeinschaft im Spannungsfeld zwischen ehrbarem Gewerbe und zwielichtigem Treiben, zwischen rechtschaffenem Handel und dreisten Gaunereien. Eines war den Mattebewohnern aber immer allgegenwärtig: die Abhängigkeit von der Aare. Das Wasser trieb die Wasserräder an und ermöglichte Arbeit. Aber es überschwemmte auch die Häuser und vernichtete die Werkstätten. Das war etwas, das die «Mehrbessern» in der Stadt oben kaum gross kümmerte. In der Matte jedoch entwickelte sich im Kampf gegen Armut, Hochwasser und Krankheiten eine starke Gemeinschaft. Es wuchs ein Gefühl des Zusammengehörens, in dem sogar eine eigene Sprache, der Mattedialekt und - als Geheimsprache - das Matteänglisch entstand.

Als im Jahre 2016 das Buch «Ittu‘me inglisch‘e – Matteänglisch» erschien, meldeten sich alte Mattebewohner, die von ihren eigenen Kindheitserlebnissen zwischen Mattenenge und Badgasse erzählten. So kam ein bunter Strauss von Mattegeschichten zusammen, die für das Buch "Geschichten aus der Matte" ausgewählt, ein wenig geordnet und aufbereitet wurden. Sie sind derart amüsant, im besten Sinn authentisch, dass sie als ein wichtiges Stück Kulturgeschichte gelten können und in manchem Leser eigene Kindheitserinnerungen wecken dürften.


Geschichte 1 von Jürg Dreier

"Von der Stadt aus gesehen war die Matte einfach ein Quartier – eines, das nicht den besten Ruf hatte. Wir Mätteler sahen die Matte als ein Dorf mit drei Teilen: Da gab es die vordere Matte, die hintere Matte und die Badgasse. Die vordere Matte reichte von der Mattenenge bis zum Schulhaus. Ich wohnte an der Schifflaube, direkt neben der Post. Darum war ich auch ein «richtiger» Mätteler. Die hintere Matte erstreckte sich vom Mühlenplatz bis zum Zähringer. Die Leute dort gehörten zwar auch zur Matte, aber das war eine Gruppe für sich. Eine Gruppe mit der wir nichts zu tun haben wollten. Und dann waren da noch die Badgässler. Die rechneten wir schon halbwegs zum Marzili. Richtige Mätteler waren die jedenfalls nicht! Das waren bloss Zugezogene."


Text und Bilder stammen aus dem Buch Geschichten aus der Matte Autor: Hans Markus Tschirren

176 Seiten, 16,5 × 23,6 cm, gebunden Hardcover Mit 92 Abbildungen / ISBN 978-3-03818-182-8

Erschienen und bestellbar beim Werd & Weber Verlag .

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