• Hans Markus Tschirren

Miniserie 2. Teil | Alte Mätteler erzählen

In der Mitte des letzten Jahrhunderts herrschte in der Matte oft bittere Armut. Die Menschen lebten in winzigen Wohnungen, eng aufeinander. Jeder wusste über das Familienleben seiner Nachbarn bestens Bescheid. Kein Wunder, dass sich zumindest in der wärmeren Jahreszeit das Leben vor allem draussen abspielte. An sich misst die Matte vom Läuferplatz bis zuhinterst in die Badgasse keinen Kilometer. Trotzdem gab es «richtige» Mätteler und «andere».



Geschichte 2 von Beat Gauch


"Wir waren zehn Kinder: Ich war der Jüngste, mein ältestes Geschwister – Peter – war ganze 22 Jahre älter als ich. Wir lebten in einer Dreizimmerwohnung, direkt neben dem Mülirad. So war ich auch ein «richtiger» Mätteler. Wir hatten eine Stube mit einem grossen Tisch und vier Betten. Dort schliefen die Mädchen. Dann gab es ein längliches Zimmer.

Dort standen drei Betten für uns sechs Buben. Als ein Kind nach dem andern auszog, wurde es für die jüngeren immer besser. Schliesslich waren wir nur noch drei. Ich schlief jetzt im Wohnzimmer, Camille und Therese zogen in das längliche Zimmer, den «Schlauch». Die zwei waren aber völlig verschieden. Camille achtete sehr auf Ordnung, Therese störte auch das grösste Chaos nicht. So kam es, dass Camille eines Tages genau die Hälfte des Zimmers mit Malerfarbe strich und seine aufgeräumte Seite grimmig verteidigte, während die Schwester im Chaos glücklich wurde."


Text und Bilder stammen aus dem Buch Geschichten aus der Matte Autor: Hans Markus Tschirren

176 Seiten, 16,5 × 23,6 cm, gebunden Hardcover Mit 92 Abbildungen / ISBN 978-3-03818-182-8

Erschienen und bestellbar beim Werd & Weber Verlag .

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