• Michèle Freiburghaus

Geng grad e haube Schritt…

«I bi geng grad e haube Schritt am Blues vorus» – e Liedzile us «Blues», eim vo mine Liebslingssongs vo Züri West. Us dere Zyt, wo si tatsächlech no Lieder gschriebe hei u sogar Hits. Merksch es, gäu, i bi chly aagriffig. I merkes o, im Autag. Im Cinquecento passenderwys geng grad e Schritt vor em Explodiere u Geschtikuliere, o schüsch, geng chly am umegniete u -wäffele. Aber nid nume ig, aui si chly hässig, wie ni merke. Di Junge stöhne zu Rächt, si wärdi um wichtigi Jahr vo ihrerm Läbe betroge. Um wiudi Zyte, wo si sech chöi ustobe u im Dachstock oder am Festival poge u d Sou uselah u ganz viu trinke u rebelliere, so, wie mir das früecher gmacht hei, wo mer no jung si gsy. Aber hei, was isch de mit üs Ü50/60er, wo nümm es ganzes Läbe vor üs hei, für das, wo mer hüt verpasse, no ohni Rollator nache ds hole? Üsi Zyt louft viu viu schnäuer, mir möchte no meh inezieh vo däm pralle Läbe, wo mer bis jtz kennt hei. Üs chunnts o hert a, vor allem als Solischt*inne, ständig ellei deheim ds hocke, üsi Fründe nume häppliwys ds gseh u wenn, de nume no deheim oder bi dere Affecheuti verusse. Trotzdäm, mir gäbe aus, um üs dere sech höch uftürmende Wäue vo kollektiver Depression u Hysterie entgäge ds stelle.


"La vita e bella", dä genial Fium vo u mit em grossartige Roberto Benigni strahlt trotz allem positivi Energie us. Im Gägesatz zu dere Tragik isch das, wo üs passiert nume es Nasewasser. Wiu mir si höchschtens i so öppisem wie emne offene Vollzug (Wikipedia: "Beim offenen Vollzug werden keine oder nur verminderte Vorkehrungen gegen Entweichungen getroffen. Dies erfordert vom Insassen die freiwillige Einordnung in ein System der Selbstdisziplin, der Gemeinschaftsfähigkeit und Eigensteuerung“). Ds einzige, wo im Aasatz verglichbar isch – dä gägewärtig grassierend Zwäckoptimismus. Es isch nid nume es Tüschigsmanöver, sondern reine Überläbenstrieb, wiu mer schüsch äuä aui würde im Rote träie. Zmingscht die, wo vom Läbe no chly öppis anders erwarte, aus Homeoffice mit nahtlosem Übergang uf ds heimische Sofa u vor d Glotze.


Fernsehsänder mache der Slogan «Gemeinsam das Gute sehen» zu ihrem Motto, Radiostatione überbiete sech chrampfhaft drin, unger ihrer Hörerschaft no öppis wie gueti Stimmig ds verbreite. U mir, mir gniesse wie bisse d Natur u fasle schönfärberisch öppis vo de positive Site wo ds Ganze doch heig, nämlech, dass me sech wieder uf sech säuber u di wahre Wärte bsinnt. Mir choche plötzlech Mehrgänger, lö üs la Ässe u Schirmlidrinks liefere oder lege üs nöi Hobbies zuche. I fiire Egopartys ir Chuchi mit de Ufstellersongs us mim rund 50-jährige aktive Läbe aus yfrigi Konzärtgängerin und Musigliebhaberin. Tanze u singe – unger em fragende Blick vo mim Hund – aus nache mit mire vom blaue Dunscht abgschmirglete Schtimm wo bricht, sobauds chly höcher wird. Nid mau der Büne u d Venus bringi me richtig häre.


Aber ja, aus isch rächt, um däm cheibe Corona-Blues geng grad e halbe Schritt vorus ds sy. U mir si ja aui furchtbar vernünftig u wüsse, dass es jtz eifach so muess sy wies isch. Sech ab und zue der Fruscht us em Liib ds tanze, mööge, ds male, ds makramene oder ds schriebe hiuft. Mir geits ämu jtz scho viu viu besser.




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