• Sam Mumenthaler

Dedicated Follower Of Fashion

Ohne ihn wäre Bern weniger farbig. Markus Hauser übergibt seinen Hemdenladen Comeback am Mittwoch an seinen Nachfolger. Eine Hommage.


«Gefällt Ihnen Ihr Hemd, oder tragen Sie es einfach?». Eine Frage, die man Markus Hauser nicht zweimal stellen muss (darum verwendete er sie, natürlich rhetorisch gemeint, auch in der Werbung für seinen Hemdenladen). In seinem Kellerlokal Comeback an der Marktgasse 5 empfing er die Kundschaft in blumigen Hemden aus seinem eigenen Sortiment, nie hätte man ihn im T-Shirt oder in einem «normalen» Hemd angetroffen. Hier schneiderte der Chef zwar nicht selber, aber er reiste für den Einkauf persönlich nach Paris und er stand zu 100% hinter seiner Ware. Ehrensache!


Wer die Treppe in sein Hemdenreich hinunterstieg, machte auch eine Zeitreise. Markus war ein Kind der Sechziger-Popkultur, ein «Dedicated Follower of Fashion» wie ihn Ray Davies von den Kinks besang. 1969 war er mit dem Shop Trice einer der allerersten, die einen Hauch Carnaby Street in die funktionale PKZ-Atmosphäre unserer Beamtenstadt brachten. Er war nah dran am Zeitgeist, verkaufte selbstgebastelte Kleider und Miniröcke und verschickte Poster für Teenagerzimmer in der ganzen Welt. Ein paar davon hingen später im Comeback, etwa die von den Rolling Stones, seiner Lieblingsband. Wobei Markus auch auf die Beatles steht. Man dürfe das nicht so eng sehen, meint er. Und hat natürlich recht. Es ist ja schon so eng genug. Nonstop tönte im Comeback Musik aus der Anlage, von den eben genannten Bands natürlich, aber auch als DJ erlaubte sich Markus auch Ausflüge in aktuellere Gefilde. Hauptsache, es war nicht langweilig. So, wie seine Hemden «speziell» sein mussten.


Markus’ Leben war ein Auf und Ab, so wie das seiner Kunden, von denen viele immer wieder kamen. Mit ihnen tauschte er sich regelmässig aus, über Gott, die Welt und die Rolling Stones. Ich hatte das Vergnügen, dazu zu gehören und hielt den Chef manchmal unnötig auf, ohne am Schluss auch ein Hemd zu erstehen. Wobei: Mein Comeback-Hemdensortiment kann es wohl mit mancher weiblichen Schuh-Sammlung aufnehmen. Ferien gönnte sich Markus als Einmannbetrieb praktisch nie – der Laden musste bedient sein. Das Pensionsalter war längst überschritten, doch der Chef wollte sein Geschäft nur an jemanden übergeben, der es in seinem Sinn weiterführt. Das ist nun tatsächlich gelungen. Ab Juli wird der Laden neu von Stephan Arnold betrieben. Ohne Beatles und Stones halt, aber mit speziellen Hemden, die hoffentlich gefallen. The Shirt must go on, könnte man sagen. Um nochmals Ray Davies zu bemühen: Thank you for the days, Markus! (Für die Hemden sowieso.)





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