• Gaschtbytrag Noè Jeanne Freiburghaus

Bärn o gly wieder «betanzbar»?

Was macht für dich die Lebensqualität von Bärn aus? Für mich ist es, neben einer bebadbaren Aare definitiv die Vielfalt unserer Kultur und Musikszene. Damit diese Vielfalt trotz Schliessungen der Konzertlokale und Clubs weiterlebt und «no lang irgendwo es Liechtli brönnt», haben die Solidaritätsgruppe «Gärn gschee – Bärn hiuft.» und die Musikförderung Bern das Projekt Stage At Home lanciert. In den letzten Monaten fand eine Reihe von Konzerten statt, die Kulturschaffende und Musiker in dieser schwierigen Zeit unterstützen konnte und dem Publikum Livemusik direkt von der Bühne ins Zuhause brachte. Dank den Spenden kann ausserdem ein grosses Finale, kuratiert von niemand geringerem als dem Gurtenfestival, stattfinden. Alle weiteren Spenden zeigen die Wertschätzung für das Projekt und werden an die beteiligten Menschen ausgeschüttet, die sich in den letzten Wochen für die Berner Kultur engagiert haben.

«Es Glas uf d Liebi für Kultur, z voue Läbä u au das, womer nid chöi häbä»

«Die Partyszene muss verstehen, dass sie nun etwas anderes tun muss, als Party zu machen», sagte Alain Berset im Frühling. Nur ist Kultur für viele Menschen nicht einfach nur eine Freizeitaktivität, sondern das, was uns tief bewegt und einen Ausgleich zum eintönigen Alltag zu bieten vermag. Für viele Menschen, besonders hinter den Kulissen, ist die Kultur neben Herzblut zudem auch Lebensgrundlage und Einnahmequelle. Seit der Schliessung von Clubs und Konzertlokalen aufgrund der Pandemie fehlte für viele Kulturschaffende jede Perspektive. Denn mit Hoffnung auf unbestimmte Zeit kann man sich (leider) keine Brötchen kaufen. Stage At Home trägt hier in Bern zur weltweiten Solidaritätsbewegung bei, die Kunst und Kultur durch kreative Projekte zu unterstützen versucht: Eine Plattform für Musiker*innen und alle Kulturschaffenden drum herum, um wieder ihrer Passion nachgehen zu können und dank Spenden etwas dabei zu verdienen.

«Niemer gniesst di Stung deheim, allei. Niemer het meh Cash für Kultur»

Die Tendenz, vom kostenfreien im Internet verfügbaren Angebot an Musik zu profitieren, hat während dem Corona-Lockdown eine neue Dimension erreicht. Die Zahlungsbereitschaft für kulturelle Leistungen ist allgemein nicht gerade rosig. Zu gross ist die Verführung für viele von uns durch die Flut an fixfertiger Gratis-Musik. Dabei sollte nicht vergessen werden, wie viel Arbeit hinter einem Konzert- oder Clubabend steckt. Dafür will Stage At Home ein Bewusstsein schaffen, indem das Projekt auch die Licht- und Tontechniker sowie die Produktionsverantwortlichen, die sonst oft unsichtbar bleiben, für ihr Engagement belohnt. So boten die Freitagabende für viele in den letzten Monaten die einzige Einnahmequelle. Diese Menschen sind eine treibende Kraft hinter der Berner Kultur, die zwar kein Luxusgut und für alle gleichermassen zugänglich sein soll, aber der dennoch eine gewisse Wertschätzung gebührt.

«Ig hätt no viu blöder ta, wenni denn scho gwüsst hätt gha…»

Das Leben kehrt langsam, aber sicher zurück nach Bern. Menschen gehen raus, treffen sich in vollen Beizen, geniessen die wiedergewonnene Freiheit und Stimmen hallen durch die Gassen. Doch die Kultur bleibt stumm. Vor lauter Lockerungen kann man schnell vergessen, dass die “neue Normalität“ für die Kulturszene immer noch sehr wenig Spielraum bietet. Kulturbetriebe, in denen sonst das Leben und die Lebensfreude pulsieren, kämpfen auch aktuell noch ums Überleben. Die Vielfalt steht still. «Dance is dead.» Aber du kannst etwas tun, damit das nicht so bleibt.

«Ke Zit für Club u Party, nid für Sunnebrüuägsicht und e krasse, undesinfizierte Handschlag»

Natürlich kann ein Online-Stream nicht das Erlebnis einer durchtanzten Konzertnacht ersetzen. Aber solange Schwitzen in Grossgruppen, Pogo und ohne Maske mit Fremden zu knutschen wirklich nicht empfohlen werden kann, bietet Stage At Home eine Alternative, die Zugang zu Musik direkt ab der Bühne ermöglicht. Dabei werden vielleicht nicht all deine Sinne angeregt und es steht nicht das Vergessen des Drumherums im Zentrum, aber es geht darum, ebendiese Orte und Menschen nicht zu vergessen, die uns diese Momente ermöglichen. Damit sie noch da sind, wenn wir zurückkehren dürfen. Es geht um Solidarität statt Schweiss und Strobo.

Jetzt spenden: #supportyourlocals

Livestream Freitag, 12. Juni 2020 von 19:30 bis 21:30

Verwandte Beiträge