Für ein urbanes Stadt- und Kulturleben

Werte Alten­bergbewohnende, Politikerinnen und Poli­tiker, Kulturschaffende und urbane Bernerinnen und Berner, lieber Christian Pauli

 

Dass die Zwischennutzung PlatzKultur auf der Schützenmatte auf juristischem Wege beerdigt wurde, ist mehr als beschämend. Aber nur ein weiterer in einer Reihe von Fällen, in denen in der Stadt Bern kulturelle Projekte in die Knie gezwungen und zu Grabe getragen werden. Für eine breite Öffentlichkeit war «Frau Müller», die das Kulturlokal Sous Soul auf gerichtlichem Wege in die Knie gezwungen hatte, so was wie der unrühmliche Start einer neuen Form von «Kulturpolitik». Plötzlich wurde klar, dass eine Einzelperson ihre Interessen auch gegen eine grosse Zahl von KulturkonsumentInnen und SupporterInnen durchsetzen kann.

 

Das gleiche Bild beim geplanten Jugendklub Tankere» in der alten Sanitätspolizei. Die gleichen Kreise, die nun der PlatzKultur den Saft abgedreht haben, klagten schon vor zwei Jahren das Projekt kaputt, bevor überhaupt je ein Jugendlicher die Räumlichkeiten betreten hatte.

 

Nun waren die Verhinderer also auch auf der Schütz erfolgreich. Trotz wiederholten Entgegenkommens der Projektverantwortlichen in vielen Punkten bleiben die Opponenten stur bei ihrem kategorischen Nein und den angedrohten Klagen. Eine kleine Minderheit drängt wiederholt der ganzen Stadt ihr Kulturverständnis und ihre Vorstellungen einer Schlafstadt à la Ballenbern auf.

 

Problematisch daran ist vor allem, dass dieses Vorgehen die notwendigen Diskurse, die Auseinandersetzung darüber, wie wir unsere Stadt, unser Zusammenleben gestalten wollen, der politischen Diskussion entzieht. In einer Demokratie sollten die unterschiedlichen Ansichten und Werte in einem breiten Dialog ausgebreitet, gegeneinander abgewogen und unter Berücksichtigung des Minderheitenschutzes ausgemittelt werden.

 

Werden diese Diskussionen durch Einsprachen und Klagen ersetzt, entzieht man die Debatte der Öffentlichkeit. Sie findet nur noch in Amts- und Gerichtsstuben statt und wird reduziert, weg vom Inhaltlichen, auf die Auslegung rechtlicher Normen. Der Kreis der Beteiligten wird auf einige Wenige reduziert, der Rest bleibt ausgeschlossen.

Es ist leicht, jetzt nach Schuldigen zu suchen, die sich zu wenig eingesetzt, zu wenig Support geboten hätten. Sündenböcke ersetzen die Problem­lösung nur bis zum nächsten Mal. Wenn aber auf nationaler und kantonaler Ebene die gesetzlichen Grundlagen nicht einem modernen, urbanen Stadt- und Kulturleben angepasst werden, werden noch lange kleine Minderheiten einer ganzen Stadt ihren Stempel aufdrücken. Ein schwieriges Stück Arbeit, das wir nur erfolgreich angehen können, wenn wir es, statt den «Schwarzpeter» für das Fiasko auf der Schütz hin- und herzuschieben, gemeinsam angehen.

 

Manuel C. Widmer

 

 

 

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