• Michèle Freiburghaus

Hashtag Bern – eine kleine Tour d’Horizon


Influencer kämpfen auf Instagram auch in Bern um die Aufmerksamkeit des Publikums – die nimmt aber immer weiter ab. Eine neue Studie zeigt, dass die Like-Zahlen von Accounts mit vielen Followern drastisch einbrechen.Wie Social-Media Kanäle als begleitende Werbeplattform optimal genutzt werden können, das machen in Bern aber einige Firmen und Institutionen vor. Auch eine kleine und feine Auswahl an Blogs darf sich über beachtliche Klickzahlen freuen. Eine kleine «Tour d’Horizon» durch die Influencer-Welt im Allgemeinen und Berner Social-Media-Accounts und Blogs im Speziellen.

Die Influencer Welt im allgemeinen

Millionen an Follower haben Instagram Accounts von sogenannten Influencern im Ausland, die meist nichts anderes als sich selbst und Produktewerbung präsentieren. Ein Umstand, der für eine etwas ältere Generation und sowieso für Leute mit einem höheren Bildungsniveau nur schwer nachvollziehbar ist. Dass die Influencer-Welt grundsätzlich oft mehr Schein ist als Sein ergab eine Studie des SRF-Data-Teams, dazu wurden 115 Schweizer Instagram-Influencer und deren sieben Millionen Follower unter die Lupe genommen. Das Resultat ist ernüchternd: 26 bis 31 Prozent der Gesamt-Follower sind nicht echt. In diesem Business zählen nämlich nicht nur schöne Bilder, sondern harte Zahlen. Bezahlte Kooperationen mit Werbepartnern, Einladungen zu VIP-Events oder "Geschenke" gibt es nur, wenn man eine bestimmte Zahl an Followern und ein gewisses Engagement (also Interaktion in Form von Kommentaren und Likes für Postings) erreicht. Für Anfänger und Firmen mit neuen Accounts ist die Versuchung gross, Follower und Likes bei sogenannten «Klickfarmen» zu kaufen, meist stammen diese aus Indonesien, Bangladesh, Argentinien oder anderen weit entfernten Ländern. Ebenfalls verboten aber durchaus gebräuchlich sind die sogenannten „Instagram-Bots“ die, im Namen des eigenen Accounts, automatisch anderen folgen, entfolgen, Bilder liken, Kommentare abgeben oder sogar Bilder posten. Unechte Reichweite bedeutet für ein werbetreibendes Unternehmen einen echten Verlust – auf Seiten der „Influencer“ und der Firmen gegenüber den Usern ist es schlichtweg Betrug. Eine neue Studie zeigt, dass die Like-Zahlen grosser Accounts drastisch einbrechen.

Social Media in Bern

In und um Bern sind 25 bis 65'000 Follower schon viel. „Sex sells“? – Wer mit Fokus Bern mit Sozial Media-Accounts wirklich Erfolg haben will, muss schon mehr drauf haben als schöne Posen. Es gibt tolle Beispiele – Leute, die sich zwar auch erfolgreich selber vermarkten, die aber auch etwas können und ihren Followern Inhalte und Unterhaltung bieten. Ein echter Star für Bern ist beispielsweise der junge Berner Gabirano Guinand, mit 181'000 Followern auf Instagram und Youtube, der bei der Schweizer Webvideopreis-Gala 2016 zur «Person of the Year» gewählt wurde. Gabriano tritt mittlwerweile zusammen mit Shooting-Star Kiko in der ganzen Schweiz erfolgreich als Stand-up-Comedian auf. In kleinerem Rahmen ist in Bern beispielsweise auch der Fotograf und Eventcreator Remo Neuhaus ein wahrer Meister darin, sich selber und seine Projekte zu vermarkten. Er hat zwar auf Instagram «nur» 5400 Follower, diese sind aber mit Sicherheit echt und dank des sympathischen Auftritts des Berners und seiner spektakulären Bilder wird auch eifrig gelikt und gebucht. Immer mehr Berner Unternehmen setzen begleitend zu anderen Werbemassnahmen ebenfalls gekonnt auf Social Media, zu erwähnen hier die originellen Auftritte der «Ingwerer»-MacherInnen, die 2018 in amüsanten Spots auf Instagram die Gesichter von Menschen zeigen, die das scharfe Getränk auf Ex trinken. Bern Welcome berührt immer wieder mit emotionalen Videos und Bildern die Herzen der Bernerinnen und Berner, Energie Wasser Bern lancierte 2018 erfolgreich einen Wettbewerb #vouimflow mit Momenten in denen alles einfach rund läuft.

Berner Blogs

Über viel Akzeptanz erfreuen sich in Bern diejenigen Blogs, deren Blogposts nicht nur der Selbstbeweihräucherung und Produktpräsentation dienen, sondern Informationsgehalt und/oder Unterhaltungswert aufweisen – vorzugsweise mit Bernbezug. Eine eigentliche Pionierrolle spielte der «Bärner Meitschi»-Lifestyle-Blog, 2012 gegründet und immer noch auf ehrenamtlicher Basis auf frische Art und Weise unterhalten. Eine Spezialität: «Zmorge in Bern». Weitere Beispiele: «Hans & Paul», Marcel Weibel und Roland Glauser, testen Berner Restaurants und erlauben sich durchaus auch kritische Töne. Beim Kulturblog des «Der Bund» «KulturStattBern» finden sich echte Essay-Trouvaillen. Das Kunstmuseum unterhält ebenso einen Blog wie die Kantonspolizei Bern, der «den Leserinnen und Lesern Informationen und Tipps rund um das Thema Sicherheit sowie unterhaltende Geschichten aus dem Polizeialltag zur Verfügung stellt».

Verwandte Beiträge