Der Macher – Dänu Stöckli

03/11/2019

 Die Urformation "Grünspan" mit Dänu Stöckli unten Mitte. Oben v.l.n.r.: Boni Bonagonza, Mätthu Kohli, Schöre Müller und Chrigu Kohli

 

Für halbe Sachen ist er nicht zu haben. Wenn Daniel «Dänu» Stöckli etwas anpackt, ist er sich auch für Details nicht zu schade. So auch bei der Organisation des «Weisch no?» Festivals, das am nächsten Wochenende schon zum 16. Mal über die Bühne geht, diesmal wieder in der – natürlich! – ausverkauften Mühle Hunziken. Im Memo an die auftretenden Sixties-Musiker weist Dänu auf das strikte Rauchverbot im Backstagebereich hin und darauf, dass es für Begleitpersonen in der Garderobe keinen Platz hat – bei insgesamt 15 auftretenden Oldies. OK, die Zeiten, als die Groupies sich gnadenlos den Weg Richtung Backstage bahnten, um ihren Idolen nahezukommen, sind eigentlich längst vorbei. Mittlerweile sind es eher die Sponsoren und der eigene Nachwuchs mit Enkelkindern, die noch rasch auf einen Schwatz vorbeikommen möchten. Doch Dänus freundlicher Reminder ruft in Erinnerung: Rock’n’Roll ist keine Schwatzbude und kein Streichelzoo, sondern ein knallhartes Geschäft. Der Zufall hat vielleicht bei der Entdeckung neuer Talente seine Hände im Spiel, aber sicher nicht, wenn es darum geht, ein Event zu organisieren oder eine Band weiterzubringen. 

 

Dänu Stöckli ist ein umtriebiger Organisator und Manager. Und er ist einer der Miterfinder des «Bärner Rock». So hiess die 1975 veröffentlichte Single der Berner Band Grünspan, die damals gemeinsam in einem Bauernhof auf der Hämlismatt wohnte und sich von den Stilzen um Polo Hofer (als dessen Manager Dänu Stöckli später arbeitete) zum Berndeutschsingen inspirieren liess. Auf der legendären Grünspan-Schallplatte ging es eher niederschwellig zu und her und ihr Sänger Dänu Stöckli sang seine Nonsenszeilen mit seltsam verfremdeter Stimme (die auf das Konto des effektverliebten Sinus-Tonmeisters Peter MacTaggart ging) und leicht höhnischem Unterton.

 

Seine Sporen als Rock’n’Roll Sänger abverdient hatte er sich da schon bei den Livings, der ersten Berner Beat Band mit eigener Langspielplatte, die 1970 von der Garage Auto Senn gesponsert wurde (ob wohl Dänu den Deal eingefädelt hatte?). Als Sänger war er das Gegenteil des harmlosen Publikumsschwarms, eher gab er den in die Musik versunkenen Einzelgänger mit einem Hauch «Läck mer» Attitüde (irgendwo zwischen Van Morrison und Robert Plant).

 

Mit den Black Lions rund um Housi Wittlin balgten sich die Livings um den Besucherrekord in der Tanzdiele Matte, wo die beiden Bands um die Gunst der damaligen Teenager buhlten. Den kompetitiven Geist dieser frühen Jahre hat der zwischenzeitliche Karatelehrer nie ganz abgelegt, obschon er es heute deutlich entspannter angeht. Seit der Livings-Reunion am ersten Weisch no? Festival 1996 ist er mit einigen Unterbrüchen wieder regelmässiger Gast in den Konzertlokalen der Region, sei es auf oder hinter der Bühne. Die Livings sind längst in Roots 66 umgetauft und nach wie vor erfolgreich unterwegs, die Weisch no? Partys eine Marke, die man niemandem mehr vorstellen muss. Tönt ganz selbstverständlich. Ohne den Macher Dänu Stöckli wäre das aber undenkbar. Oder, auf gut Berndeutsch: Vo nüt chunnt nüt.

 

 

 

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