«Wagen zum Glück» eröffnet Winter-Pop-up

 

An diesem graugrusigen Herbsttag bepackt mit Computer und eingepackt in eine schwere Herbstjacke, erinnere ich mich wehmütig an das letzte Mal, als ich beim «Wagen zum Glück» zu Abend gegessen habe: Ich reiste mit meinem aufblasbaren Donut den ganzen Weg aus dem Marzili auf der Aare an und verbrachte in Worblaufen beim umgebauten Zirkuswagen einen wunderschönen Sommerabend. Heute ist die Szenerie eine ganz andere. Ich befinde mich im Liebefeld und friere. Als ich jedoch von draussen ins warme Licht eintrete, umgibt mich ein wohliges Gefühl.

 

Wagen spannt mit Drahtesel zusammen

 

Wenn die regulären Mitarbeitenden des «Dreigänger», dem Restaurant des Projekts «Drahtesel», Feierabend machen, übernimmt das Team vom «Wagen zum Glück». Simu und seine Köche kreieren von Dienstag bis Samstag zu jeweils anderen Themen leckere Bio-Dreigänger und servieren dazu den passenden Sound. Am Sonntag gibt es Brunch und für Grossreservierungen auch individuelle Angebote.

 

Ich werde vom Chef auf seine unkomplizierte Art und Weise willkommen geheissen und zum Platz geführt. Die zusammengewürfelte Halle mit einer Bar aus Holzspanplatten und einer Decke aus Beton ist gut besucht, dennoch geräumig und nicht zu laut.

 

Das Pop-up ist hier genau richtig: Weil das Restaurant «Dreigänger» am Abend geschlossen ist und es sich beim Stellplatz des «Wagen zum Glück» in Worblaufen nur um einen Sommerstandort handelt, ergänzen sich die beiden perfekt. Für nachhaltige beruflichen Integration engagieren sich beide Betriebe. Das Arbeitsintegrationsprojekt, das Simu und seine Frau Anna im Rahmen von «Wagen zum Glück» auf die Beine gestellt haben, bietet Menschen mit Fluchthintergrund einen fairen Arbeitsplatz, dank dem sie sich vom Sozialdienst lösen können. So schaffen sie in ihrem Betrieb eine Kultur der Wertschätzung und Würde: «Es ist für uns ein persönliches Herzensanliegen», sagt Simu. 

 

Internationale Küche von lokalen Produzenten

 

Der indische Abend von Koch Kiran startet mit knusprigen Pakora auf einem knackigen Salat mit Mango-Sesamdressing. Der fruchtige Weisswein kommt aus Bern und das Wasser aus der Leitung: Möglichst lokal und nachhaltig soll es sein. Später wird mit einem herzlichen Lächeln eine grosszügige Portion zartes Poulet-Curry mit Jogurt, Daal und Reis gebracht. Nach einer kurzen Pause folgt ein erfrischendes, schaumiges Kardamom-Lassi.

 

Ein süsses, kleines Mädchen, das ein zur Verfügung stehendes Chäreli mit Spielzeug umher schiebt, ist das einzige, das den raschen Service hin und wieder entschleunigt.

 

Rollstuhl- und Kinderwagengängig

 

Alle sind willkommen: Das Mädchen, das durch das Restaurant trötschgelet und sich als die Tochter von Simu und Anna herausstellt, ist ebenso gastfreundlich wie ihre Eltern. Sie schaut mich mit ihren grossen Augen an und streckt mir ihre Glace zum Teilen hin. Als die Gäste nach dem Essen bedient sind, sitzt Simu mit den Köchen zum Abendessen an einen Tisch auf der anderen Seite des Raumes. Die Stimmung ist familiär und locker.

Abgerundet wird der Abend von indischer Musik, die einige Gäste sogar zu einer spontanen Bollywood-Tanzeinlage inspiriert. Ich sitze mit einem vollen Magen da und denke daran, dass er eben auch Vorteile hat dieser Herbst: Als ich im Sommer nämlich in Worblaufen aus der Aare stieg, wurde ich von oben bis unten verstochen. So geniesse ich die mückenfreien Glücksmomente im neuen Pop-up des «Wagen zum Glück.»

 

  • bis Ende März 2020 geöffnet | Di – Sa 17 – 24 Uhr | So 10 – 15 Uhr

  • Dreigang-Menüs für meist etwas über 30 Franken: Dienstag Indien | Mittwoch Wild später Italienisch | Donnerstag Orientalisch | Freitag Käse | Samstag Indien | Sonntag Brunch

  • Restaurant Dreigänger | Waldeggstr. 27 | 3097 Liebefeld | Webseite Dreigänger

 

 

 

 

Please reload

Verwandte Beiträge

Please reload