• Text Tina Jamila Köhler / Fotos Jorim Esslinger

Kulinata 2019: Ein Fest der Sinne für Bern

Ein öffentliches Esszimmer und einen Sinnesparcours rund um das Thema lokale nachhaltige Ernährung konnten die Besucher der Kulinata am Samstag auf dem Bahnhofsplatz und im Innenhof des Generationenhauses erleben. Für die diesjährige Veranstaltung haben sich die Organisatorinnen vom Amt für Umweltschutz Bern, gemeinsam mit einem zehnköpfigen Projektteam, einen spielerischen Zugang zu unserer Ernährung ausgedacht. Geweckt haben sie damit bei den Besuchern viel gute Laune und in doppelter Hinsicht erweiterte Sinneshorizonte.

Insgesamt 44 Veranstalter der Stadt und Region Bern präsentierten an diesem sonnigen Samstag mit Workshops, Vorträgen und Degustationen selbstgemachter Produkte ihre Arbeit. Dabei ging es nicht vordergründig um Konsum, sondern um Wissensaustausch, Inspiration und darum, unsere Nahrung als sinnliches Erlebnis neu wertzuschätzen. Schliesslich verbergen sich hinter jedem Produkt Geschichten darüber, ob wir mit unseren Lebensmitteln tatsächlich Lebendigkeit fördern, die allen vom Feld bis zum Teller zugute kommt.

"Die Lust auf einen bewussten Umgang mit der Ernährung zu wecken, ist eines der Ziele der Kulinata" betont Lea Eugster, eine der drei Hauptorganisatorinnen der Veranstaltung. Aus diesem Kontext heraus entstand die Idee, einen Sinnesparcour zu entwickeln und der Kulinata mit dem Titel "Fest der Sinne" auch gleich ein passendes Motto zu geben. Der Hauptpartner der Kulinata war ganz in diesem Sinne der Verein "Forum Sensorik", der sich die Verbreitung und den Austausch über den Wert unserer Lebensmittel zur Aufgabe gemacht hat.

Wie Erdbeeren riechen und Kichererbsen klingen

Am Start des Sinnesparcours am Generationenhaus konnte jeder eine Kulinata-Stempelkarte abholen und damit zielsicher durch die Genusswelt navigieren. Die nummerierten Stände der Anbieter, bildeten jeweils eine Station, an der eine sinnliche Aufgabe erledigt werden konnte. Zur Belohnung gab es dafür einen Stempel des jeweiligen Veranstalters und beim Erfüllen aller Aufgaben natürlich einen kleinen Bonus zum Schluss. So wurde die ganze Runde wie ein Spiel voller Überraschungen, das bei Gross und Klein sichtbar viel Anklang fand.

Bei meiner eigenen Entdeckungsrunde konnte ich am Stand von "Bern unverpackt" darüber staunen, dass ich den Duft getrockneter Erdbeeren mit Feigen verwechsle und Cashews am Geruch gar nicht erkenne, obwohl ich sie doch so gerne habe in meinem Müsli. Dafür kann ich den Klang von schwarzen Linsen und Kirchererbsen zielsicher voneinander unterscheiden.

Die Idee der solidarischen Landwirtschaftsinitiative "Radiesli" erinnert mich daran, dass hinter einer simplen Polenta jede Menge einzelner Maiskörner stecken, die bestenfalls wie hier in liebevoller Handarbeit gewonnen werden.

Am Gmüesgarte schmuggle ich mich vorbei, weil ich bei dem Gedanken ins schwitzen komme, das Gewicht des Gemüses schätzen zu müssen. Da traue ich mir beim Stiftsgarten mehr Treffsicherheit zu, wo ich heimische Gartenkräuter wie Salbei, Thymian und Zitronenmelisse ihrem Duft nach zuordnen darf. Allerdings scheitere ich dann an der zweiten Aufgabe, beim saisonalen Kürbischutney alle Zutaten herauszuschmecken.

Meinen eigenen Kulinatatag schliesse ich mit einem aufweckenden Brennessel-Smoothie von Jolanda Zurbrügg vom Projekt "Ur.Sprünglech" ab und finde es dann doch ein bisschen schade, dass die Kulinata diesmal nur einen Tag gedauert hat.

Von den Ohren bis zum Magen: Abendprogramm mit experimenteller Musik

Ab 18 Uhr war Umbruchsstimmung angesagt am Generationenhaus, denn auf den Hauptteil der Kulinata folgte ein Abendbankett der besonderen Art. An einer langen Tafel, die durch den ganzen Innenhof reichte, fanden mit 80 Gästen eine bunte Mischung aus Besuchern und Veranstaltern Platz. Geschmacklich überrascht wurden sie mit einem Menü von Antonia Erni, alias "die Köchin", die "frisch, fröhlich, raffiniert" stets mit saisongerechten Zutaten und essbaren Blüten aus dem eigenen Garten kocht. Damit die Ohren beim Essen nicht zu kurz kommen, gab es eigens dazu ausgewählte experimentelle Musik von Andreas Schaerer und Lucas Niggli zwischen den einzelnen Gängen.

Das "Interesse an nachhaltiger Ernährung spielerisch und mit Freude zu wecken" ist an diesem Tag definitiv geglückt. Dem bleibt eigentlich nichts hinzuzufügen. Ausser vielleicht die Neugier auf die nächste Kulinata.

Tina Jamila Köhler ist Journalistin, Musikwissenschaftlerin M.A, Klangtherapeutin (Peter Hess Institut) und Kinesiologische Beraterin und schreibt ab sofort auch für den BÄRN!BLOG.

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