Joggen verboten

20/08/2019

 Eine der liebsten Routen meiner wöchentlichen Joggingtour führt mich vom Breitenrainquartier durch den verwunschenen Botanischen Garten auf seinen unzähligen kleinen Pfaden vorbei an majestätischen Bäumen und hiesigen sowie exotischen Pflanzen hinunter zu meiner liebsten Brücke in Bern: dem Altenbergsteg. 

 

„Joggen verboten“, prangt gross und gut sichtbar auf dem Steg. Nun haben Verbote ja auch im Erwachsenenalter immer noch oft den Reiz zum Nichtgehorchen, doch wer sich hier nicht daran hält, merkt spätestens beim dritten oder vierten Schritt, dass diese Untersagung durchaus Sinn macht: Der Altenbergsteg ist eine Hängebrücke,die bei jedem Schritt ein bisschen stärker zu schwingen beginnt.

 

Gemäss dem Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz https://data.geo.admin.ch/ch.astra.ivs-nat/PDF/BE24130001.pdf  ist der 57 Meter lange und 2.13 Meter breiteAltenbergsteg nicht nur irgendeine belanglose Hängebrücke, sondern mit Baujahr 1857 eine der ältesten in der Schweiz und die einzige noch bestehende Kettenbrücke. Die älteste der 17 Brücken über Bern ist sie jedoch nicht: diese Ehre gebührt natürlich der ersten Variante der Untertorbrücke, die ab 1256 als einziger Zugang zur Stadt über die Aare führte.

 

Jetzt im Sommer ist durch die Saisonbar „Trybhouz“ so einiges los beim Altenbergsteg. In den drei Monaten Juni bis August vermischen sich hier die Aareschwimmerinnen mit den Bargängerinnen und weil der Platz unter den Spitzahornbäumen zu knapp wird, weichen letztere auf den Steg aus. Wer nicht zum Trinken oder Essen gekommen ist, kann sich aber trotz des Andrangs immer noch von der Brücke aus in die Aare stürzen und sich ins Lorrainebad treiben lassen oder mittels an der Brücke angebundenem Gummiseil auf dem Fluss surfen. 

 

Doch nicht nur im Sommer liebe ich den Steg: im Winter, wenn der Sommertrubel vorbei ist und die Brücke im Nebel manchmal kaum mehr sichtbar ist, dient sie mir für eine kleine Tradition, die ich vor einigen Jahren begonnen habe: am 1. Januar notiere ich meine Wünsche für das neue Jahr auf ein Blatt Papier, falte es zu einem Schiffchen, lasse es vom Altenbergsteg in die kalte Aare niedersegeln und schaue ihm nach, bis es verschwunden ist. Ich bin mir sicher, dass das Aarewasser meine Wünsche in die weite Welt hinausträgt, diese sich irgendwann auflösen, hoch in die Wolken ziehen und dort warten, bis ihre Zeit gekommen ist, um sich zu erfüllen. 

 

Das ganze Jahr hindurch denke ich bei jedem Schritt auf dem Altenbergsteg an meine Wünsche und hoffe, dass sie bald in Erfüllung gehen.

 

Bis zur nächsten Runde!

 

 

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