Einwohnern und Fremden ein willkommenes Werk

"Bern, neu entdeckt", Serie unserer neuen Mitbloggerin Karin Hofmann*  

 

 

Für uns hier aufgewachsenen, hierher gezogenen, geflüchteten oder hier gestrandetenBernerinnen und Berner ist sie unbestritten die schönste aller Hauptstädte überhaupt. Aber kennen wir sie wirklich so gut, wie wir denken? Die Kolumne “Bern neu entdeckt” bringt Kleines, Kurioses, Leises, Schönes und Verstecktes unserer Stadt ans Licht.

 

Wir werden alle mit den Jahren nicht nur älter und weiser, sondern leider auch stetig schwerer. „Zwischen 50 und 60 nehmen die meisten von uns rund 10 Kilogramm zu“, sagte kürzlich mein Homöopath. Ich muss ihn sehr erschrocken angeschaut haben, denn er korrigierte die furchterregende Zahl sogleich nach unten zu „5-10 Kilos“, was aber immer noch erschreckend genug war. Weil ich nicht zu „den meisten“ gehören will, nahm ich mir sogleich vor, den Anfängen zu wehren und wieder vermehrt etwas für meine Fitness zu tun und machte mich auf die Socken, respektive auf die Laufschuhe.

 

Schliesslich bietet sich Joggen in Bern wunderbar an: fast von überall her ist man in kurzer Zeit an der Aare, in einem Wald oder einem sonstigen Naherholungsgebiet. Und so fing ich vor einigen Wochen wieder an, mindestens einmal pro Woche Bern im Laufschritt neu zu entdecken. Dabei flitze ich aber nicht mit Stöpseln im Ohr und Scheuklappen im Eiltempo durch die Stadt, sondern bewege mich bewusst und gemütlich joggend, den Blick auf alles Kleine, Versteckte und Entzückende unser wunderbaren Stadt gerichtet. Oft greife ich dabei zum Handy, um etwas festzuhalten, das meine Aufmerksamkeit erregt. Diese Woche war es der Gedenkstein, der am Aargauerstalden steht und folgende Inschrift in Lateinisch trägt:

 

Den Einwohnern und Fremden einwillkommenes Werk. 

Nachdem die alte Strasse aufgegeben worden ist,

ist durch den steilen Felshang, wo die

Natur entgegenzustehen schien, eine

Strasse gebaut und gesichert

worden. Angefangen 1750. Vollendet 1758.

 

Der Gedenkstein aus Grimselgranit wurde zum Bau des Aargauerstaldens errichtet und ersetzte 1815 ein früheres Denkmal. Er befindet sich im obersten Viertel des Aargauerstaldens unterhalb der Schönburg. Aufgefallen war er mir vorher nie, denn trotz seiner Grösse ist er unter Büschen und einem grossen Baum am Hang gut versteckt, doch es lohnt sich, ihm einmal einen Besuch abzustatten und ihn zu bewundern.

 

Bern im Laufschritt neu zu entdecken macht nicht nur fit, sondern bildet auch und fägt. 

Bis zur nächsten Runde!

 

 

* Die Bernerin Karin Hofmann arbeitete13 Jahre lang für das IKRK in Kriegs-und Krisengebieten unter anderem im Irak, Iran, in Afghanistan, Kongo-Kinshasa und Tschetschenien als Delegationsleiterin und Delegierte und Koordinatorin für das Schutzprogramm für Gefangene. Heute lebt sie mit ihrer Tochter in Bern und arbeitet als Geschäftsleiterin beim Verein «WOhnenbern», der verschiedene Wohnformen für Menschen anbietet, die von Obdachlosigkeit bedroht sind. Ihre Erlebnisse im Krieg und Alltag hielt sie im Buch «In jeder Hölle ein Stück Himmel» fest. Im Buch gewährt die Autorin eindrückliche, sehr persönliche Einblicke in das Leben – und Innenleben – einer IKRK-Delegierten. In jeder Hölle ein Stück Himmel. 13 Jahre in Kriegs- und Krisengebieten. Lokwort-Verlag, Bern 2018. 396 S.

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