Unterwegs mit Stefan Hoby, Zootierarzt

Ich wuchs in der Ostschweiz auf und studierte an der Universität Bern Veterinärmedizin. Meine Doktorarbeit befasste sich mit einheimischen Wildtieren wie Steinböcken, Gämsen und Hirschen. Diese Arbeit war verbunden mit Feldarbeit in einem österreichischen Nationalpark. Danach hatte ich eine Assistenzstelle am Zentrum für Fisch- und Wildtiermedizin der Uni Bern. Im Rahmen meiner Anstellung schrieb ich eine wissenschaftliche Arbeit für den Zoo Basel und arbeitete dort in der Folge 10 Jahre als Zootierarzt. Seit einem Jahr bin ich nun Zootierarzt im Tierpark Bern.

 

Ich bin der erste fest angestellte Zootierarzt in Bern. Bis vor einem Jahr war ein externer, selbstständig praktizierender Tierarzt zuständig für die Tiere. Die Vorteile der neuen Lösung liegen auf der Hand: Ich bin ständig vor Ort und verfüge über mehr Kapazität. Auf diese Weise kann ich den Tierbestand kontinuierlicher und genauer beobachten und pflegen. Zudem kann ich dafür sorgen, dass der Tierbestand der Wissenschaft zugänglich ist. Die Zusammenarbeit mit den Universitäten und insbesondere mit dem Tierspital Bern ist sehr wertvoll.

 

Mein Job ist eine absolute Traumstelle. Die Arbeit ist enorm abwechslungsreich, der Arbeitsort wunderschön. Auch die Zusammenarbeit im Tierpark ist gut. Alle sind mit Herzblut dabei. Unser Motto ist zwar «Mehr Platz für weniger Tiere», dennoch ist das Tierspektrum sehr breit. Wir betreuen zurzeit 230 Tierarten oder 2000 einzelne Tiere. Die Insekten sind nicht eingerechnet,

sonst würden wir wohl von fünf Millionen Tieren reden. Der Austausch mit Berufskolleginnen und -kollegen ist bei einer solchen Tiervielfalt wichtig. Ich halte mich zudem mit Tagungen und Fachliteratur auf dem neusten Stand des Wissens.

 

Meine Hauptaufgabe ist, einen gesunden Tierbestand zu garantieren. Dazu gehört auch die Erfüllung der gesetzlichen Auflagen, von denen es doch einige gibt. Weiter bin ich zuständig für den Behandlungsraum, das Labor und die Quarantäne, die mir zur Verfügung stehen. Ich bestelle zum Beispiel Medikamente und Material nach und putze die Gerätschaften. Weiter zeichne ich jede Behandlung auf und dokumentiere alle meine Beobachtungen. Auch die wissenschaftliche Arbeit, das Recherchieren und die Mitarbeit in Projekten sind Teil meiner Arbeit.

 

Mein Arbeitsalltag ist vielseitig, die Routine an einem kleinen Ort. Am Morgen studiere ich in der Regel als Erstes die Rapporte der Tierpflegerinnen und Tierpfleger. Sie liefern mir wertvolle Hinweise für die Beurteilung des Gesundheitszustandes der Tiere. Aufgrund der Eintragungen entscheide ich, welche Beobachtungen, Untersuchungen und Behandlungen ich durchführe. Bildgebende Diagnostik, Wundbehandlungen und kleinere Eingriffe nehme ich selber vor, liegt etwas Schwereres vor, gehe ich auf Spezialisten zu. Der Nachmittag ist meistens für die Schreib- und Büroarbeit reserviert.

 

Schöne Momente gibt es in meinem Job viele. Einer ist beispielsweise, wenn das Tier wohlbehalten aus der Narkose erwacht. Dann bin auch ich zufrieden. Kürzlich mussten wir wegen des Umbaus die Steinböcke in eine Anlage in Bayern transportieren. Ich war verantwortlich für die Untersuchung, den Verlad und die Transportbegleitung der Tiere und entsprechend erleichtert, als alle Steinböcke wohlbehalten im neuen Gehege ankamen. Natürlich erlebe ich auch Belastendes. Ich begleite auch Tiere, denen es nicht gut geht. Und manchmal nützt der ganze Einsatz nichts und das Tier muss von seinem Leiden erlöst werden.

 

 

Unterwegs im Tierpark Bern, Dählhölzli und BärenPark: Stefan Hoby.

 

 

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