Migottstüüri

Ja, wenn Sie mich so fragen, vor 25 Jahren, ich erinnere mich genau – da gab es noch das Loebegge Telefon und keine SmartPhones – stand ich am Loebegge für mein erstes ‚Rennen‘ mit meiner neuen Flamme, die ich im Blauen Bähnli (das ja jetzt nicht mehr immer Blau, sondern manchmal auch rot ist – schämt es sich?) auf meiner Fahrt nach Worb angesprochen hatte. Sie gab mir ihre Telefonnummer mit der Bitte, aufzulegen wenn sie nicht selbst an den Apparat komme.

 

Übrigens sind wir jetzt seit 22 Jahren glücklich verheiratet und haben zwei hübsche Töchter aufgezogen. Da stand ich also am Loeb Egge und wartete. Wartete auf meine Flamme, die mich warten liess. Eine ganze Halbestunde. Sie wollte wohl prüfen ob ich sie als Schatz ganz oder nur halb erobern wolle. Jedenfalls wartete ich. Auf sie. Oder einen Anruf am Loebegge Telefon. Man(n) kann ja nie wissen. Wir hatten für 18.30 abgemacht. Der Loeb schloss gerade die Türen. Stellte den Luftvorhang ab, so dass es während meiner Geduldsprobe so richtig eisig kalt wurde. Da stand fünf Minuten später ein altes Müetti vor dem Geschäft und rüttelte an der Türe. Die Grauhaarige mit dem akkurat getrimmten Bürzi, begann verzweifelt zu jammern „MIGOTTSTÜÜRI, MIGOTTSTÜÜRI, MIGOTTSTÜÜRI“! Ich, nach der neusten Mode gekleidet, ging auf die ländlich gekleidete Frau zu. Fragte nach, ob ich ihr behilflich sein könne. Sie antwortete mit Tränen in der Stimme: „Mir kann niemand helfen, ich habe meinen Fidu im Loeb verloren, er ist mir einfach entwischt, aus dem Halsband geschlüpft, MIGOTTSTÜRI, MIGOTTSTÜRI, was soll ich nur machen? Der Fidu kann doch nicht im Warenhaus pfuusen, wohl gar in der Bettwarenabteilung, oder was wahrscheinlicher ist im Wienerlilager!“ Ich versuchte die Frau zu beruhigen, riet ihr zu telefonieren. Darauf das Müetti: “Das Loebeggetelefon hat doch keine Wählscheibe – so ein Sürmu der, der das so eingerichtet oder erfunden hat!“ Ich empfahl ihr eine Telefonkabine (das gab es damals noch haufenweise in der Stadt) wurde aber durch ein lautes Bellen unterbrochen, denn hinter der verschlossenen Eingangspforte des Loeb‘s tauchte in Begleitung eines Securitas ein heftig wedelnder Berner Sennenhund auf. Schlüssel drehten sich im Schloss. Ich habe noch selten ein glücklicheres Müetti gesehen als damals. Ende gut, alles gut. Und die halbe Stunde, meine Prüfung der Wertschätzung des ersehnten Schatzes waren im Nu vergangen. Wer weiss ob mein Leben ohne das Müetti und den Fidu gleich glücklich verlaufen wäre, denn als ungeduldiges Gemüt hätte ich wohl nicht so lange ausgeharrt!

 

 

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