Zum Valentinstag: Von Schweigern und Rehen

 


So unterschiedlich wie wir Menschen nun mal sind, so vielfältig ist auch unsere Art, mit Konflikten umzugehen. Hier als Anti-Valentinstag-Statement meine höchst subjektive und völlig unprofessionelle Zusammenstellung der wichtigsten Typen und ihrer Verhaltensweisen.

Die Schweiger*innen
Streittaktik: Der Gnadenstoss mit darauf folgendem Todschweigen. Streit mit Schweigern heisst, du argumentierst erst mal monologartig für Dich allein, dann - wumm! - kassierst du plötzlich eine gut platzierte verbale Ohrfeige. Sowohl einziger Beitrag als auch ultimativer Schlusspunkt der Schweiger. Hernach verfallen sie nämlich in Schweigen. Dann hilft weder bitten, betteln, rumschreien, vernünftig argumentieren noch bringt's ein Salto Mortale rückwärts. In einer Partnerschaft  lernen Diskussionswütige entweder abzuwarten, bis die schweigsamen Liebsten ihren Mund wieder aufkriegen oder sie kommen früher oder später in die Klapse oder in's Gefängnis weil sie irgend eine Verzweiflungstat begangen haben, um wenigstens IRGEND eine Reaktion zu provozieren. Schweigende sind meist furchtbar nachtragend und ziemlich zerstreut und vergesslich, wenn es um ihren Part am Konflikt geht. Besonders schwierig wird eine gepflegte Konfliktkultur zwischen “Schweiger*innen” und der nachfolgenden Spezies.

Die Diskussionswütigen
Streittaktik: Zu Tode diskutieren. Die Gerechtigkeitsliebenden können einfach nicht aufhören, bis sie vom Gegenüber  – für sie zufriedenstellend fomulierte – Zugeständnisse erhalten. So beharren sie so lange immer und immer wieder auf einen strittigen Punkt, bis sie den Gesprächspartner komplett in die Enge getrieben haben. Gerechtigkeitsfanatiker sind Stürmicheibe, die ein Problem bis ins Kleinste sezieren und ausdiskutieren wollen und nichts stehen lassen können. Ihr Vorteil: Sie sind auch in Bezug auf Ihren eigenen Anteil am Problem ehrlich und ganz allgemein ohne doppelten Boden, weil sie immer genau das sagen, was sie meinen.

Die Choleriker
Streittaktik: Hilflosigkeit pur. Rumschreien, Beschimpfen, Anpöbeln, Verprügeln – wer mag schon über solche Typen schreiben...

Die Harmoniebedürftigen
Streittaktik: Unter den Teppich kehren. Mit ihnen zu streiten ist entweder kaum möglich oder total unlustig. Das ist auch der Typus, der danach trachtet, dich mit salbungsvollen Worten zu beruhigen, wenn du auf 180 bist, was Dich noch mehr in Rage bringt. Die Art so mancher Harmoniejunkies, Probleme des lieben (oder eigenen) Friedens  willen eher unter den Teppich zu kehren, als sich damit auseinander zu setzten, führt von Staus in der Magengrube, unverarbeitetem Seelenmüll bis zu Magengeschwüren. 

Die Rehli-Typen
Streittaktik: Um Mitleid heischen. Unter diese Kategorie fallen längst nicht mehr nur Frauen. Die Rehli-Typen wirken ausgesprochen sanft und zerbrechlich, doch hinter dieser Fassade sind sie entweder knallhart berechnend und wissen sehr genau, was sie wollen und vor allem, was sie nicht wollen; oder sie  merken es tatsächlich selber nicht mal, wie unberechenbar sie sind und wie sehr sie ihre Umwelt beeinflussen. Die Waffen der Rehli's: manchmal Naivität oder wahlweise Hilflosigkeit, oft wortlose Leidensmiene, Tränen à gogo, kunstvoll bis zur Unkenntlichkeit zum eigenen Vorteil verdrehte Aussagen und – im Notfall - werden gar noch Schubladen gezogen, die zwar mit dem Konflikt an und für sich nicht das geringste zu tun haben, aber sehr effektvoll sind, wenn es darum geht, den anderen vor Mitleid bewegungsunfähig und vor allem sprachlos zu machen. Beide Rehli-Typen gewinnen eigentlich immer, das merkst Du aber leider erst zu spät. Weil Dir der Wind aus den Segeln genommen wurde, fällt dir nämlich erst gar nicht auf, dass nur du Zugeständnisse gemacht hast und dein Gegenüber völlig unbefleckt aus der Sache heraus gekommen ist. Vor allem Männer überschlagen sich gerne dabei, die Rehlityp-Frauen zu beschützen und umsorgen und es fällt ihnen nicht mal auf, dass sie von vorne bis hinten - ob bewusst oder unbewusst - manipuliert werden. 

Sie finden sich in keiner dieser Kategorien wieder, nicht mal ansatzweise? Gratuliere – sie haben es gut und nennen offenbar ein rundum perfektes Konfliktmanagement ihr eigen. Ich beneide sie um ihre Mühelosigkeit ...das ist einfach ungerecht...können wir darüber reden?

Ihre Michele Freiburghaus

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