100 Jahre Bern-Bümpliz Teil 1: Die Fusion

Bümpliz fusioniert mit Bern – ein Ausweg aus der Not

 

Die laufend steigenden Kosten für Schulen sowie für die Wasser- und Gasversorgung der Bevölkerung brachten Bümpliz in Finanznöte. Der Ausweg: Die Fusion mit Bern.

 

Ende September 1918 sprachen sich die Stimmberechtigten der Stadt Bern deutlich für die Ein-gemeindung von Bümpliz in die Stadt Bern aus. Die Bümplizer stimmten dem Vorhaben eine Woche später ebenfalls zu. Ab dem 1. Januar 1919 waren die Bümplizer offiziell Berner. In der letzten Sitzung des Bümplizer Gemeindrats schloss der Gemeindepräsident Fritz Messerli seine Rede mit den Worten: «Es sind also nicht nur Gefühle der Freude über die endliche Erlösung aus unseren Finanznöten, sondern es sind auch Gefühle der Missstimmung und des Unmuts über die verschiedenen Opfer, die wir darbringen mussten. […] Wir wollen uns auch mit der festen Hoffnung an die Gemeinde Bern anschliessen, dass dieselbe uns nicht als verschupftes Stiefkind, sondern als gleichberechtigtes Glied in ihren Haushalt aufnehmen werde».

 

Beschauliches Dorf

Jahrhundertelang waren Bümpliz, Bethlehem, Ober- und Niederbottigen und Riedbach ein Pfarrdorf mit Weilern entlang dem Stadtbach vor den Toren Berns. Mehrere Landsitze und herrschaftliche Gutshöfe bernburgerlicher Familien sowie verstreut liegende Häusergruppen prägten die fruchtbare Landschaft zwischen dem Bremgarten- und Könizbergwald.

 

Der Dorfplatz in Bümpliz um 1910.

 

Industrie bringt Zuwanderung

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts geriet die 1832 entstandene Einwohnergemeinde Bümpliz in den Sog der Industrialisierung. Der Eisenbahnbau und die Entstehung technisierter Betriebe vor allem in der Stadt Bern, die zwischen 1890 und 1914 eine wirtschaftliche Hochkonjunktur erlebte, führten zu massenhafter Zuwanderung und damit zu starkem Bevölkerungswachstum. Die in Bern arbeitenden Neuzuzüger suchten in der Vorortsgemeinde günstigen Wohnraum. Die Bevölkerungszahl verdoppelte sich zwischen 1888 und 1910 auf ca. 6'500 Personen.

 

Geld wird knapp

Bald konnte Bümpliz die grossen Infrastrukturaufgaben des Verstädterungsprozesses nicht mehr selbständig bewältigen. Gas- und Wasserversorgung, Abwasserkanalisation, elektrische  Beleuchtung, Strassen- und Schulhausbau sprengten das Budget der Gemeinde. Schuld daran war nicht zuletzt das damalige Steuergesetz, nach dem die auswärts Arbeitenden ihr Einkommen nicht am Wohnort sondern am Arbeitsort versteuern mussten.

 

Der Kanton möchte, die Stadt vorerst nicht

Angestossen hatte die Eingemeindung die Berner Kantonsregierung, unter anderem weil die Schulgemeinde Bümpliz infolge des Baus neuer Schulhäuser ihren finanziellen Verpflichtungen seit längerer Zeit nicht mehr nachkam. Der Gemeinderat von Bümpliz befürwortete in seiner Stellungnahme die Vereinigung der gesamten Gemeinde mit Bern. «Da die Stadt an den geschilderten Missverhältnissen die Hauptschuld trage», so die Meinung des Bümplizer Gemeinderats, «sollte sie in erster Linie zur Beseitigung derselben angehalten werden». Mit der Begründung, dass die finanziellen Opfer für die Einwohnerschaft Berns zu  beträchtlich seien und die Baulandreserven im Stadtgebiet noch für Jahrzehnte ausreichen würden, sprach sich der Stadtrat am 30. April 1915 vorerst gegen die vom Kanton geforderte Fusion aus. 

 

 

Verzögerte Zustimmung und Hoffnung auf «Gross Bern»

Da der Regierungsrat nach dem Ende des Ersten Weltkriegs auf einen raschen Abschluss der Fu-sionsverhandlungen drängte, stimmte der Stadtrat dem Eingemeindungsvertrag mit Bümpliz am 29. August 1918 schliesslich doch noch zu – in der Hoffnung, bald weitere Vorortsgemeinden zu einem Zusammenschluss zu «Gross Bern» bewegen zu können.

 

 

 

 

Die Akten über die Eingemeindung füllen drei Bände. 

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