Ein gutes Gewissen...

Jjaja, wenn Sie mich so fragen, da erinnere ich mich an ein kurliges Erlebnis. Es war so gegen halb elf Uhr nachts. Wir zwei Freunde wollten in den Ausgang. Ja, der beginnt am Freitag gar spät. Nach dem Motto: ‚wer zu früh kommt den bestraft das Leben!‘ Wir schlenderten in Bernischer Gemütsruhe das Rohr hinauf. Von der Nydeggbrücke zum Loeb Egge. Wollten dann wieder zurück, um uns durch eine der Passagen unserem Disco Ziel anzunähern. Hinein würden wir erst gehen wenn wir die Parade der Gäste beim Hineinschweben betrachtet hätten. Bevor wir Rechtsumkehrt machten (ein Begriff der aus dem militärischen stammt, weshalb wir stets Linksumkehrt befolgten), wollten wir einen Blick in den geschlossenen Loeb werfen, obwohl die Modepuppen, die den Eingang zierten, uns wenig sagten. Doch wir hofften doch, die eine oder andere Schönheit zu sehen, die für die Schaufenstergestaltung zuständig waren, da diese ein künstlerisches Flair ausstrahlten. Doch was wunderten wir uns, dass wir quer zum Eingang einen alten Mann mit schlohweisser Haarmähne am Boden liegen sahen. Einfach so. Obwohl es Oktober war und die Nächte bereits vom Winde getragenen, beinahe winterlichen Atem aussandten. „Der muss elendiglich frieren“, bemerkte ich mitfühlend zu meinem Freund. 

„Glaube ich nicht“, antwortete er. „Sieh doch sein zufriedenes Lächeln! Sein in sich selbst ruhender Körper!“Und tatsächlich sah der am Boden liegende alles anders als mit seinem Schicksal hadernd, oder unzufrieden aus. Er lag da. Umklammerte dabei sein Kissen. Ein übergrosses Kissen. XXXL schätzte ich. Da, ich erschrak dabei unweigerlich, suchte mit meiner eiskalten Hand die Schulter meines  Freundes, um mich aufrechthalten zu können, öffnete der Alte seine Augenlider, starrte mich mit eisigem Blick an. Blaues Eis, dachte ich. Jetzt erkannten wir auch seinen langen weissen Rauschebart. Er öffnete seine Lippen, fuhr mit der roten Zunge darüber, richtete sein Wort mit krächzender Stimme an uns. 

„Darf ich mich vorstellen: Herr Holle, bald wird es Winter, habt keine Angst. Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen, denn die Gleichberechtigung ist kein Märchen mehr …“ und schloss darauf erneut, sein Kissen fest umarmend die Augen. Erst einige Minuten später sprach mein Kumpel, sich dabei an die Stirne mit der flachen Hand schlagend: „Sind wir doof, ich hab ganz vergessen, dass Fasnacht ist"...

 

 

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