Jjaja, wenn Sie mich so fragen, da kommt mir ein Erlebnis das sich vor Jahren am LOEBegge zugetragen hat in den Sinn: Es war ein Freitagabend. Wir hatten gefestet. Mit Freunden. Über die Stränge geschlagen. Wie man es an einem Junggesellenabschiedsfest so erlebt. Mancher Humpen hatten wir geleert. Und auch Flaschen Rebensafts. Jedenfalls bereitete es uns Mühe durch unsere liebe Stadt zu finden. Die Lauben verwandelten sich in Karussells. Die Strassenlaternen sahen wie Sterne auf einer Laufbahn aus. Und einige davon nahm ich als Kometen wahr. Und urplötzlich war ich allein. Alle Freunde und Mitfeiernde verschwunden. Ich sah auf meine Taschenuhr die mir mein Grossvater testamentarisch vermacht hatte. Sie zeigte, ich wollte es kaum glauben, 03.30 an. Nulldreiuhrdreissig des Samstags. Und um 10 Uhr sollte ich den Bräutigam in die Kirche begleiten. Es fiel mir schwer mir das vorzustellen. Denn in meinem Kopf drehte sich alles um mein Bett in meiner kleinen Wohnung. Ich sprach mir selbst Mut zu diese zu erreichen. So ganz einsam in der schlafenden Stadt, der sich mein Augenpaar unbedingt so rasch als möglich sich schliessend anschliessen wollte. ‚Ein Fixpunkt, ein Fixpunkt für ein Königreich‘, wandelte ich Shakespeares Bühnentext um. Und wer sucht der findet, oder dem wird gegeben, so sicher war ich nicht welches der Zitate stimmte, jedenfalls fand ich mich am LOEBegge wieder. Leer. Abgedunkelt. Einsam. Aber ein Fixpunkt wie ich erleichtert seufzend feststellte. Wenn nur jemand dagewesen wäre der mir weitergeholfen hätte. Aber nein, ich war allein. Wirklich? Ich rieb mir die Augen, denn da sah ich einen kleinen Jungen. Bestimmt  nicht älter als vier Jahre. Ein Dreikäsehoch. Wie, fragte ich mich, kommt ein so kleines Kind mitten in der Nacht an diesen Treffpunkt. Schloss für drei Sekunden meine Augen, denn ich war mir meines Zustands doch bewusst, oder zumindest annähernd. Was tun? Die Polizei rufen? Aber die würden mich verdächtigen. Kindesentführung oder Schlimmeres. Abhauen? Nein ein Feigling war ich nie. Auch nicht mit meinen beinahe vierzig Jahren nicht. Es blieb mir einzig zu versuchen mit dem Kind zu sprechen, seine Eltern ausfindig zu machen, den Knaben an seinen Wohnort zu bringen. Diskret an der Haustüre zu klingeln und dann das Weite zu suchen. Also sprach ich ihn an. Fragte mich ob mit guten Morgen, oder guten Abend Kontakt aufzunehmen sei.. Entschied mich für das Neutrale „SALÜ, wie heisst Du?“  Und er antwortete mit einer festen, beinahe Erwachsenenstimme „Pole“. Leicht erstaunt registrierte ich, dass er den gleichen Vornamen nannte wie der meine. Nun Pole gibt es wie Sand am Meer, beruhigte ich mich. 

„Hast Dich verlaufen“, doppelte ich nach.

 „Ja“, erwiderte er. 

„Wo wohnst Du denn?“

„Bei Dir!“

Mir fiel der Kinnladen runter. In meiner kleinen Wohnung wohnt kein Kind! Erst recht nicht eines das nachts herumstreunt.

„Also das stimmt nicht! Du lügst!“

„Nein, ich wohne in Dir. Und bin einzig herausgetreten um zu zeigen, dass es mich noch gibt.“

Jetzt war ich vollkommen sprachlos. Das Kind das in mir wohnt und sich zeigt da ich es vergessen hatte. War das die Erklärung?

Nun ich kann nicht beschwören, dass sich in meinem damaligen Zustand alles so zugetragen hat. Was ich mir aber damals versprach und bis heute gehalten habe ist das Kind in mir mehr zu pflegen, mehr auf das Kindliche zu hören, mehr meine Fantasie und Kreativität zu fördern, denn das Kind in uns wird uns mit unguten Folgen zu früh ausgetrieben ... 

 

 

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