Loebegge-Blues in Blond

Jaja, der Loebegge, wenn Sie mich so fragen, da fällt mir das Megawuterlebnis ein das mich heimsuchte. Aber auch mein Gewissen bis zum heutigen Tag belastet. Ich hatte mit meiner Lebenspartnerin, oder sagt man Lebensabschnittpartnerin (werde ich als Unwort des Jahr anmelden, stimmen Sie mir zu?) an eben diesem Ort abgemacht. Wie es so viele, oder beinahe alle hier Wohnenden pflegen. Wie üblich wartete ich. Das regt mich kaum mehr auf, erledige ich doch dabei meine Mails, die ich lieber Couriel nenne, um meine Französisch Kenntnisse vorzuführen, schliesslich ist unser Kanton zweisprachig. Da tupft mir eine Blondine mit spitzen Fingern auf die Schulter. Ich liebe es nicht am Körper von Fremden berührt zu werden, meine Kenntnisse als Krankenpfleger warnen mich vor der viralen Bakterienflut die dabei übertragen werden kann. Und diese Person, oder Unperson, wenn wir schon beim Unwort sind, säuselt mit süsser Stimme - diese kam mir irgendwie bekannt vor - :

„Schatz musstest Du lange warten?“

Nun, dann noch Schatz genannt zu werden, nein das war der Tropfen der den Eimer zum Überlaufen brachte. 

„Also, ich bin weder ihr Schatz (das ihr sprach ich mit einem kleinen i aus, das grosse verweigerte meine Zuge), noch will ich berührt werden, im Übrigen stören sie mich bei der Arbeit!“

Rote Blitze zuckten hinter meinen Augen bei diesen Worten, eine Eigenheit von mir bei Wutanfällen. 

Sie aber liess sich nicht abwimmeln. Sprach mich jetzt gar mit meinem Vornamen an. Wie konnte sie diesen kennen? Steht er auf dem iPad? Aber da war weit und breit kein Name. Und die Dame, also sie sah, mit einem kurzen Seitenblick hatte ich das festgestellt, durchaus hübsch aus, ging mir auf die Pelle, verströmte einen fremden Parfümgeruch. Ich konzentrierte mich wieder auf mein unfertiges Antwortscouriel, beschloss sie einfach zu ignorieren. Doch da umarmte sie mich. Tränen standen in ihren Augen. 

„Hat die neue Haarfarbe und das Permmakeup mich so verwandelt, dass Du mich nicht mehr erkennst?“

Ja, da sah ich näher hin. Liess Couriel Couriel sein und erkannte meine Partnerin, die um Jahre jünger aussah als am Morgen beim Ausdemhausegehen. Fehlleistungen meiner Sinne die durch elektronische Ablenkung erfolgen nehme ich seitdem ernst und versuche damit mit mässigem Erfolg mein Gewissen zu beruhigen ...

 

 

 

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