Bis am 21. September 2018 dreht sich bei der KULINATA alles um nachhaltige Ernährung. Doch was bedeutet ein «Tête-à-Tête mit Nachhaltigkeit» im Alltag?

 

Viele behaupten von sich, dass sie sich nachhaltig ernähren, dass sie Wert auf einen saisongerechten Einkauf legen und dass sie vorzugsweise regionale Produkte kaufen. So auch die Autoren dieses Beitrags. Wie aber definiert man Regionalität, in Kilometern oder vielleicht Fahrstunden? Müssten wir nicht von Meter oder Gehminuten reden? Schliesslich klingen Kilometer und Fahrstunden nicht gerade nachhaltig… Beissen sich Nachhaltigkeit und Regionalität sogar? Einige Studien besagen offenbar, dass biologischer Rohrzucker aus Südamerika nachhaltiger ist als «unser» Zucker aus dem Seeland. Wie bitte? Es scheint fast als würden, je intensiver wir uns damit befassen, immer mehr Fragezeichen auftauchen.

 

In unserer Gesellschaft und der globalisierten Welt von heute sind andere Länder im Nu erreichbar. Zugegeben, dies hat mit Nachhaltigkeit nichts zu tun. Aber hat sich dadurch das Empfinden in Bezug auf regionale Produkte ebenfalls verändert? Angenommen, wir starten einen Selbstversuch mit Zutaten, die im Umkreis von maximal 25 km um Bern herum vorkommen. Wie stark beeinflusst dies das Einkaufsverhalten und welche Produkte fallen da per se schon mal weg? Sehr viele! Dies betrifft besonders Gerichte aus der vegetarischen und der veganen Küche: Tofu, Kichererbsen, Linsen, Avocado, Chiasamen und weitere sogenannte «Superfoods» finden sich in diesem Perimeter nicht oder nur nach langem Suchen. Betroffen ist aber bei Weitem nicht nur wer sich vegetarisch oder vegan ernährt. Allen Bemühungen zum Trotz scheitert unser gut gemeinter Selbstversuch spätestens an den Gewürzen und allerspätestens bei den Getränken. Wir können die Weltkarte so oft drehen und wenden wie wir wollen, der zum Hohrückensteak mit Ofengemüse und Salat vom Bauernhof nebenan passende Brunello aus der Toskana – natürlich aus biologischem Anbau - wird nie und nimmer in den 25 km-Perimeter passen. Sollten wir lieber Wein vom Bielersee trinken? Moment, wie war das mit dem Bio-Rohrzucker aus Südamerika? Wäre demnach der Bio-Brunello aus der Toskana nicht vielleicht doch nahhaltiger als ein konventionell hergestellter Malbec aus der Region Bielersee? Wir wissen es nicht. Ganz abgesehen davon, liegen die Weinbaugebiete am Bielersee auch schon ausserhalb des 25 km Perimeters und so erübrigt sich die Frage nach dem Rotwein, wir trinken Leitungswasser. 

 

Manchmal ist es tatsächlich frustrierend und es wird einem als Konsumentin oder Konsument auch nicht leicht gemacht. Trotzdem können wir unseren Beitrag dazu leisten - Nachhaltigkeit hat viele Gesichter. Wer regional kauft, unterstützt hiesige Produzenten, erhält oder schafft Arbeitsplätze, sichert Existenzen und vermindert unmittelbar die Menge an Flugwaren. Mit einer guten Portion Menschenverstand können wir auch Reste und Abfall reduzieren. Denn wie heisst es so schön: mindestens haltbar bis und nicht sofort tödlich ab! 

 

Im Rahmen der KULINATA, die vom 8. – 21. September 2018 mit rund 60 verschiedenen Angeboten zum Thema nachhaltige Ernährung stattfindet, wird nebst vielem anderen jeden Mittag auf dem Waisenhausplatz nachhaltig gekocht. Geht hin, entdeckt neues – z. B. wie Mehlwürmer schmecken, fragt nach, seid kritisch, hinterfragt auch mal euer eigenes Einkaufsverhalten und vor allem, geniesst in vollen Zügen und mit Verstand!

 

Wir wünschen einen guten Appetit!

www.kulinata.ch

 

idéeBERN – Vereinigung für Bern
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