Eifach ds Paradies!

Es gibt einen friedlichen Ort in Bern, wo alle Grenzen verwischen. Ob arm, reich, alt, jung, dick, wohlgeformt oder dünn – und völlig unabhängig von der politischen Gesinnung – geniessen es hier alle in friedlicher Koexistenz. Still ist es in dieser Oase, die Geräusche von Aussen dringen wie durch flauschige Watte herein und bieten höchstens einen Background, der an das leise Murmeln eines Baches erinnert. Ab und zu unterhalten sich welche in gemässigtem Ton, denn dieser Ort ist auch fürsorglich. Für viele ältere und sehr alte Menschen, die zu Hause vereinsamen würden, ist er noch die einzige Möglichkeit, um soziale Kontakte zu pflegen. Von Frühling bis Herbst, vom ersten Sonnenstrahl bis zum letzten, feiern sie mit ihrer wohldurchdachten Infrastruktur den Sommer. Tafeln und teilen zusammen, plaudern und erzählen sich gegenseitig von ihren kleinen und grossen Sorgen. 

 

Nebenbei: eine Freude  – selber träge herumliegend – Menschen zuzuhören, deren Berndeutsch noch völlig unverfälscht von Neudeutsch und Anglizismen ist, rein und klar und so schön altertümlich. Da fallen Ausdrücke, die ich selber längst vergessen hatte. Die mein Papa, der zum Teil in der Matte aufgewachsen ist, noch ständig verwendete. Wo ist bloss unser schönes «IU» geblieben, das heute kaum noch jemand verwendet? Wo Ausdrücke wie «ja, säget!?» oder «nume zum säge», «chüderle» oder «muderig». «Scheiche», «Ranze» und «Seckle» gilt heute als unfein, obwohl es doch nichts anderes ist, als Matte-Berndeutsch, dieses unterschied sich halt ein wenig von demjenigen der «noblen» Oberstadt.

 

Zurück zum Paradies. Wie in ebendiesem, sind an besagtem Ort alle nackt und frei – das sogar ganz ohne Feigenblatt. Und die Abwesenheit von Adam erklärt wohl auch, warum es dort so friedlich ist 😉. Sie haben es sicher längst erraten. Natürlich, ich meine das Paradiesli im Marzili. Das «Frauenbad» ist ein Relikt  aus einer Zeit, als das Bad im 18. Jahrhundert noch Eintritt kostete und «Füferweiher» genannt wurde. Damals ging es im Bad nämlich noch freizügig zu: im Männerbad tummelten sich die Männer, wie Gott (oder wer auch immer) sie schuf, im Frauenbad die Frauen. Seit diesem Jahr nennen wir dort eines dieser wunderbaren Kästlis unser eigen, von der Tochter mit allerlei unnötigem Krimskrams, Postkarten und sogar einer Lichterkette ausgestattet, nennen wir es jetzt unser «Feriehüsli». Ein Ferienhaus mit Aareanstoss im Garten Eden für 65 Franken im Jahr – was will frau mehr? 

 

 

 

Please reload

Verwandte Beiträge

Please reload