Der Bremgartenfriedhof ist nicht nur Ruhestätte für die Verstorbenen, sondern auch Erholungs- und Entspannungsort für die Lebenden. Kaum eine Totenstätte ist so einladend, freundlich, weltoffen und, nun ja, lebendig. 

Friedhöfe sind vor allem für die Lebenden da. Was nach einem Widerspruch klingt, macht durchaus Sinn. Schliesslich sind es die Hinterlassenen, die den Ort regelmässig besuchen, hier trauern, Abschied nehmen. Wer den Bremgartenfriedhof in Bern besucht, stellt schnell fest, dass hier nicht nur getrauert, sondern gespielt, gelesen und gepicknickt wird. Die zunehmende Anzahl Urnen- und Gemeinschaftsgräber macht Platz für neue Konzepte; der Friedhof wandelt sich mehr und mehr zum schönen Stadtpark. 

 

Chillen auf dem Friedhof – darf man das?

 

Grüne Wiesen, Bänke, Stühle, wunderschöne Alleen und hier und da ein Brunnen: Ein Besuch im Bremgartenfriedhof setzt nicht zwingend eine verstorbene Freundin oder Verwandten voraus. Die Infotafel beim Eingang verrät, dass der Friedhof in eine Erholungszone und eine Begegnungszone eingeteilt ist. Während bei der ersteren Zone ruhige Aktivitäten erlaubt sind, ist Spiel, Spass und Festen in der Begegnungszone geduldet, ja sogar erwünscht. 

 

Auf den Wiesen trifft man Leute aus den umliegenden Büros, die sich mit ihrem Zmittag auf eines der vielen Bänkli setzen. Oder Sonnenhungrige, die sich eine kurze Auszeit gönnen und die Stille geniessen. Auch ein paar stadtbekannte Namen sind hier und da anzutreffen, jedoch mehr unter als auf der Erde: Mani Matter, Berner Liedermacher, Klaus Schädelin, Schriftsteller und Autor von «Mein Name ist Eugen» und Albert Wander, Erfinder der Ovomaltine fanden hier ihre letzte Ruhe. 

 

Ein Friedhof entwickelt sich weiter

 

Eröffnet wurde der älteste Berner Friedhof 1865 als Ersatz für den Monbijoufriedhof – im Stadtzentrum war schlicht zu wenig Platz für die mit der Bevölkerung wachsenden Anzahl Toten. Einst dicht belegt, lässt die sich wandelnde Friedhofskultur heute Platz für freie Wiesen, weitläufige Alleen und einen terrassierten Kiesplatz am südlichen Ende. 

 

Bei einem gemächlichen Spaziergang durch die schön gepflegten Gräberreihen entdecken Besuchende weitere Eigenheiten des Friedhofs, zum Beispiel das Grabfeld für zu früh geborene Kinder oder der Bereich für muslimische Grabstätten. Seit Anfang Juni gibt es zudem eine Ruhestätte für Buddhistinnen und Buddhisten – erstmalig in der Schweiz. Die Stadtregierung hat sich zum Ziel gesetzt, den Angehörigen aller fünf Weltreligionen bedürfnisgerechte Bestattungsarten anzubieten. Bereits in Planung ist eine Abdankungsstelle für Hindus. Aussergewöhnlich sind auch die Soldatengräber, in denen Franzosen, Polen und Belgier aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg begraben sind. 

 

Der Friedhof ist also für alle da – und ein Besuch lohnt sich, lieber früh als (zu) spät. 

 

 

Friedhof Knigge

In den Städten übernehmen Friedhöfe immer mehr die Funktion eines Stadtparks. Und so wurden einige alte Verhaltensregeln schon längst begraben. Grundsätzlich ist alles ist erlaubt, was der Würde eines Friedhofs angemessen ist. Eine Tafel am Eingang des Friedhofs informiert jeweils über bestimmte Regeln – so ist zum Beispiel Velofahren und das Mitführen von Hunden in der Erholungszone des Bremgartenfriedhofs nicht erwünscht. 

 

Bildlegende: Die majestätische Blutbuche im Rasenrondell lädt mit ihrem stammunrundenen Bänkli zu einer Pause vom hektischen Alltag ein. Die grosszügige Baumkrone wirkt wie ein Schutz vor der Aussenwelt und sorgt für Privatsphäre. Auf auf der Fläche von rund 750 Quadratmetern stehen rund 1’000 Bäume. 

 

 

 

 

 

 

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