Die alte Dame wird geliftet

135 Jahre nach ihrer Einweihung wird die Kirchenfeldbrücke saniert und verstärkt. Dazu muss sie während rund vier Monaten für den motorisierten Verkehr gesperrt werden: Von Ende Juli bis Mitte November 2018 ist das Museumsviertel nur zu Fuss oder auf Umwegen zu erreichen. Das ruft nach aussergewöhnlichen Kommunikationsmassnahmen.

 

1881 wurde in London die Erschliessungsgesellschaft «Berne Land Company Ltd.» gegründet. Deren Ziel: das unbesiedelte Kirchenfeld als Wohnquartier zu erschliessen und mit einer Brücke mit der Stadt zu verbinden. Es dauerte nur 21 Monate, bis die 229 Meter lange Stahlbogenbrücke gebaut war: Im September 1883 fand bereits die Einweihung statt.

 

Umfassende Sanierung

Konzipiert wurde die Brücke, die von rund 250’000 Nieten zusammengehalten wird, seinerzeit für Pferdefuhrwerke, und natürlich musste sie im Lauf der Jahre mehrmals saniert und verstärkt werden: erstmals 1914, als ein zweites Tramgleis eingebaut wurde, letztmals 1989, beim Ersatz der Gleisanlage. 2018 steht erneut ein umfassendes Sanierungsprojekt an: Die Risse in den Stahlträgern, die bei der letzten Hauptinspektion zum Vorschein gekommen sind, werden repariert, die Schwachstellen an der Brückenkonstruktion ausgemerzt, die Tramgleise und Oberleitungen ersetzt. Die Brücke soll wieder für achtzig Jahre nutzbar gemacht werden – und künftig auch von etwas schwereren Trams befahren werden können.

 

Spezielles Verkehrsregime

Ein solches Bauprojekt kostet. Einerseits Geld: 17,6 Millionen Franken, wovon die Stadt Bern gut ein Drittel trägt. Andererseits Nerven: weil die Sanierung mit Lärm und Staub und Beschwerlichkeiten verbunden ist. Bis Ende Juli, während der Gerüst- und Stahlbauarbeiten, ist vom Baubetrieb noch wenig zu spüren. Zwischen dem 23. Juli und dem 9. November 2018 jedoch, wenn die Gleisanlage ersetzt und die Strassenoberfläche saniert werden, ist die Brücke nur noch zu Fuss passierbar. Die Trams der Linien 6, 7 und 8 werden durch Busse ersetzt und – wie die Fahrzeuge der Buslinie 19 sowie der ganze motorisierte Privatverkehr auch – grossräumig umgeleitet. Eine der verkehrstechnischen Achillessehnen Berns wird also vier Monate lang operiert, die Verbindung ins Kirchenfeld wochenlang gekappt, Casino- und Helvetiaplatz mit Baucontainern bestückt.

 

Fernblick ins Museumsquartier

Angesichts der massiven Beeinträchtigungen, von denen insbesondere auch die Museen und Kulturinstitutionen im Kirchenfeldquartier betroffen sind, haben sich die Stadt Bern und Bernmobil bezüglich Kommunikation einiges einfallen lassen – mit dem Segen des Stadtrats, der dafür zusätzlich Geld gesprochen hat: Nebst den üblichen Massnahmen, die bei grossenBauprojekten auf Stadtboden stets ergriffen werden Orientierungsveranstaltungen, Infoflyer, Baustellenplakate, 24 Stunden Baustellentelefon, Website –, wird diesmal zusätzlich mit grellen Bodenklebern und grossen Plakaten sichergestellt, dass Ortsunkundige den Weg vom Bahnhof ins Museumsquartier auch wirklich finden. Zudem wird auf dem Casinoplatz ein hoher Aussichtsturm installiert, von dem aus die Museumslandschaft auf der anderen Aareseite bestens zu überblicken ist. Und wie anno 1968 die Kunsthalle in weisse Plastikfolie gehüllt wurde, werden 2018 die Museumsgebäude im Kirchenfeldquartier verpackt: nicht von Christo, sondern von den Industriekletterern des Tiefbauamts, welche Teile der Gebäude in oranges Segeltuch hüllen. Damit die Gäste von nah und fern sie sofort entdecken.

 

Alles weitere Wissenswerte, Aktuelles und Webcam: www.kirchenfeldbrücke.ch

 

Bodenkleber helfen, auch während der Brückensperrung den Weg vom Bahnhof ins Museumsquartier zu finden.

 

 

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