Von ehrlichem Formschinken und falschem Kaviar oder "so si mer haut".

Was wären wohl wir Bernerinnen und Berner müsste man uns einem Lebensmittel zuordnen? Wären wir am ehesten eine Kiwi mit unserer leicht stacheligen Schale und dem süss-sauren, saftigen Fruchtfleisch? Oder eine Avocado, deren Hülle zäh und widerstandsfähig ist, das Innere aber zartschmelzend und köstlich? – Eines steht fest, wir wären ein ehrliches Lebensmittel – ein knuspriger, wunderbar duftender Biz Brot mit Käsereibutter, eine feine Wurst vom Berner Märit oder eine hausgemachte Gemüsesuppe vom Foodtruck. Was wir mit Sicherheit nicht wären, sind falscher Kaviar oder Formschinken (obwohl letzterer gar nicht mal so unehrlich ist: er besteht zu 90% aus Fleisch und muss klar als Formschinken deklariert werden) – jedenfalls einfach kein Essen, das mehr Schein ist als Sein.

 

Wer die Seele der Menschen aus Bern kennt, der weiss: Wir mögen das Echte ohne Gugus, wir schätzen Inhalte versus Bling-Bling, wir leben das Berner Lebensgefühl und nicht den Lifestyle, wir entlarven Schwätzer, Nachgemachtes und Mainstream, Aggressivität und Penetranz sind unsere Sache nicht, da blocken wir konsequent ab. Kar, wir sind traditionsbewusst (Retro ist notabene voll im Trend), aber offen für alles Neue mit Originalität und von Qualität. Sei es beim Essen, in der Mode, der Kultur, beim Humor, bei den Menschen und bei allem anderen auch.

 

Zugegeben: Auch hier in Bern gibt es sie, die BlenderInnen und jene, die sich gerne eine Weile blenden lassen. Die sich beispielsweise in Gourmettempeln tummeln und sich dermassen am Chi-Chi auf dem Teller ergötzen, dass sie gar nicht merken, dass das, was sie essen, schlicht und einfach nicht schmackhaft ist. Leute, die jedem neuen Trend hinterher hecheln ohne ihn zu hinterfragen und/oder Influencern hofieren und/oder folgen, obwohl diese auf jedem Bild nichts anderes als sich selber und irgendwelche Sponsoren zelebrieren.

 

Bern ist pures Gold, keine mit Blattgold verzierte Kopie einer andern Stadt. Und wenn neue Besen nachhaltig  besser wischen würden, wieso hielten dann die Berner Strassenwischer wie eh und je die bewährten Reisigbesen in den Händen? Zeitgeist als Kopie, die nur so lange funktioniert, wie massig Geld hinein gebuttert wird? Neue Wege als Nabelschau, die niemanden irgendwo hin führen? – Da lobe ich mir doch (und mit mir glücklicherweise seit langer Zeit auch viele andere) die ehrliche, gradlinige Beständigkeit und bewährte Trampelpfade – auf diesen gibt es nämlich rechts und links viel mehr zu entdecken als auf der Überholspur – und das Ziel erreicht man auf ihnen komplett unfall- und verlustfrei.

 

Wunderschöner Berner Trampelpfad an der Aare

 

 

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