Wer ein Magazin herausgibt, die kann was erleben oder was einem dabei so alles widerfährt, ist eine Kolumne wert. Ab 5. Juni ist es wieder soweit, das BÄRN! MAGAZIN wird verteilt und verschickt. Die meisten freut’s – in aller Bescheidenheit, Bern mag sein Magazin. Aber jedes Mal hat es auch einen Stänkerer (oder das weibliche Pendant dazu) dabei, dem das nicht passt. Der bisherige Höhepunkt: „Seit Ihrer (meiner?) grün roten Regierung stinkts in Bern” kritzelte mir einst ein Dr. med L.R. aus B. auf eine sorgfältig zurückgeschickte Ausgabe vom BÄRN!. Ich solle gefälligst „für die Einhaltung der Verkehrsregelung durch Velofahrer” (?), „für die juristischen Vorgaben” (??) gleich auch noch „für Ordnung in den Aemtern” (???) und, last but not least, einfach ganz generell für eine “anständige Verkehrspolitik” sorgen. Na herzlichen Dank auch für Ihr Vertrauen, aber mit Verlaub: Was soll ich denn NOCH alles? Mein Autorität beschränkt sich nämlich auf meinen Hund (gehorcht er Ja/Nein) und auf meine eigene Ordnung (Puff auf dem Bürotisch Ja/Nein).

 

Das Allerneuste: Jemand fragte an, ob er das Magazin bitteschön elektronisch und per Mail erhalten könne. Gegenfrage: Konsumieren Sie ein feines Essen, den Sonnenaufgang und den Aaareschwumm auch elektronisch? Papier ist sinnlich, Bern hat es verdient, gedruckt zu werden. Und in der Hängematte liest sich ein – handliches – Printprodukt, ebenso wie ein Buch, einfach schöner als ein Tablet. Meine Meinung. J.J. aus dem L. investiert 2 Franken, um mir ein jungfräuliches BÄRN! mit dem Vermerk „Kein Abo bitte” zu retournieren. Erhalten werden Sie es trotzdem, denn das Berner Magazin ist, wie nicht mehr viel im Leben, für die Bernerinnen und Berner kostenlos. Übrigens auch für alle jene, auf deren Briefkasten ein „Stopp-Werbung-Kleber” prangt.

 

Wozu schreiben, illustrieren und fotografieren wir uns auf 52 Seiten die Seele aus dem Leib, wenn das Ding von vereinzelten Miesepetern als Werbeprospekt deklariert wird – hm? Und warum zeichnen sich Zeitgenossinnen und Zeitgenossen, die sich selber mit Sicherheit als aufgeschlossen bezeichnen, als besonders kritische Menschen aus, nur weil sie sich der „Werbung” verweigern? Was ist denn eigentlich so verwerflich daran, sich im Berner Bär über das Who is Who der Berner Cervalat-Prominenz zu informieren? Was ist schändlich daran, wenn Berner Geschäfte sich und ihre Waren in einem mit Herzblut gemachten Printprodukt präsentieren? Oder wenn Coop, Migros & Co. sich mit Aktionen, Gratiskarten, Punkten, Tüpfli und rasaroten Elefanten gegenseitig überbieten? Stopp Werbung. Toll. Liebe Frau M. aus G., ich will sie ja nicht belehren, aber ohne Werbung gäbe es nichts: Keine Zeitung, keine Zeitschrift, kein Magazin, kein Lokalradio und -fernsehen. Die Werbung ist fast so alt wie die Menschheit: Historikern zufolge gab es sie schon 4000 Jahre vor Christus im alten Ägypten. Vor 2000 Jahren wurden in Pompeji Warenangebote auf Wände gemeisselt und im Alten Rom von sogenannten „Ausrufern” verkündet. Im mittelalterlichen Europa wurden daraus die „Stadtschreier”, diese wurden von Händlern engagiert und machten lautstark Werbung für deren Produkte. Und um 1450 wurden sie durch Handzettel und Plakate ersetzt. Bereits im 17. Jahrhundert entstanden Massenzeitungen und damit auch „Annoncen” (frz. verkünden). Ja, ja, so ist das.

 

BÄRN! MAGAZIN ab 5. Juni in den Briefkasten. Wenn Sie nicht im Verteilgebiet sind: Hier die zusätzlichen Verteilstellen. Wenn Sie diese Plattform als WerbepartnerIn nutzen möchten: Hier geht’s zur Verlagsseite.

 

Illustration Ausschnitt Cover BÄRN! 2/18: Martina Friedli Carrier Bird

 

 

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