THE BLACK LIONS: Aus der Zeit gefallen

14/05/2018

«Ich zähle 14 Musiker», schrieb Housi Wittlin in den 1990er-Jahren zum Line-up der Berner Beat Band The Black Lions. Mittlerweile dürfte es ein gutes Dutzend mehr sein (der Schreibende hatte auch einmal die Ehre, ein temporärer Löwe zu sein!). Die Musiker kamen und gingen, doch Sänger Dide Heiniger und der bereits erwähnte Housi Wittlin, den man in Bern niemandem vorstellen muss, bildeten stets (oder besser: meist) den harten Kern der Black Lions. Die 1964 gegründeten Black Lions waren ursprünglich eine Gymeler Band, und das bekamen sie zu spüren. Viele der Musiker setzten schon früh auf das berufliche Fortkommen statt auf den Beat. Egal: Mit dem Gespann Heiniger-Wittlin liessen sich Gassenhauer von den Rolling Stones, Animals und Them (»Gloria») glaubwürdig interpretieren, mit ihren poppigen Mod- und Flower-Power-Outfits gaben die Löwen ausserdem auch optisch etwas her. Für die aufstrebenden Musiker von den Delation und The Livings waren die Black Lions jedenfalls so etwas wie Vorbilder. Doch auch die Black Lions selber blieben stets Fans: Zu einem Schlüsselmoment ihrer Band Bio zählt eine zufällige Begegnung mit Bond-Star Ursi Andress, von der noch ein Foto erhalten ist.

 

Auch zwei Platten spielten die Black Lions ein: Schon früh erschien die charmant dilettierende Single «Milord», noch ohne Wittlin eingespielt – es dürfte die erste Schallplatte einer Berner Stadtberner Band im Beat-Stil gewesen sein. Ende der Sechziger folgten die Lions, diesmal ohne Heiniger, dem Ruf des damaligen Stapis Reynold Tschäppät und steuerten den Song «Pop The Question» für den von der Stadt lancierten Sampler «Bärner Platte» bei. 1970 war der Ofen aus und die letzte Formation der Löwen stob endgültig auseinander.


Endgültig? So locker, wie sie in ihren Blütezeiten gespielt hatten, so locker fanden sich die Black Lions auch immer wieder zu Reunions zusammen. An den «Weisch No?» Fueren von Dänu Stöckli gehören sie mittlerweile zum Stammpersonal. Sogar auf das Ausstellungsplakat der 1968er-Ausstellung des Historischen Museums haben sie es geschafft. Dort sieht man die Protagonisten in jungen Jahren in und auf ihrem bemalten Hippiebus, der sie auf Tourneen um die ganze Welt hätte führen können. Aber eben:  Weil es anderswo halt auch schon lokale Ausgaben von Mick Jagger und Van Morrison gab, blieben die Black Lions meist in ihrer Heimatstadt hängen.

 

Am 2. Juni spielen die Black Lions am Finale des JetLäg ein weiteres Konzert – im 54. Jahr ihres Bestehens.  «Baby Baby, you’re out of time», singt Dide Heiniger jeweils inbrünstig. Genau. Die Black Lions sind zeitlos.

 

Unscharfer, aber historischer Moment: die Black Lions treffen Bond-Star Ursula Andress

 

 

 

 

 

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