Sams Berner Rock ABC: O wie Ocean

27/03/2018

Popchronist Sam Mumenthaler bloggt in loser Folge über Berner Rock Bands: Lebendige und tote, brandaktuelle und alteingesessene. Sein Berner Rock ABC beginnt er heute gleich mit einem O – und der Berner Folkrockband Ocean, rund um den Sänger und späteren Politiker Henri Huber.

 

Als die Aare in den Ozean floss

 

Ocean waren kein laut rauschendes, aber auch nicht einfach ein stilles Wasser. Ihr Folk- und Countryrock war die Antithese zum ruppigen Punk und New Wave, der in den späten 1970er Jahren auch in der Schweiz den Ton angab. In Bern, wo Ocean zuhause waren, lärmte Punk einfach etwas weniger, als in anderen Städten wie Zürich oder Genf. Hier setzten viele Musiker eher auf den Sound der amerikanischen Westcoast, frönten unverdrossen Love & Peace und nahmen es weiterhin gerne „easy“.

 

Ocean waren eine der ersten Berner Bands, die ich live sah. Ich erinnere mich an das hippiemässig geschnürte Sweat Shirt des Bassisten Kurt «Higi» Heilinger, an den satten Beat von Drummer Küre Hauser und den kernigen Gitarrensound von Tinu Diem, dessen Spiel die Wurzeln im Folk und Fingerpicking verriet. Als bei einem Konzert im Berner Käfigturmtheater auch noch der frühere Rumpelstilz-Gitarrero Schifer Schafer erschien, war ich hin und weg. Das erste Ocean-Album «Drift Message», das ich mir an diesem Konzert signieren liess, habe ich bis heute aufbewahrt.

 

Ocean machten auf mich den Eindruck einer seriösen Band. Leader Henri Huber nahm es ernst mit seinen Songs, auch mit den Texten, und hob nur ins Land der Träume ab, wenn einer seiner Musikerkollegen zu einem Solo ansetzte. Henri sang über Autoraser, die bis zum Crash aufs Gaspedal drückten, und über die ärmliche Bevölkerung der Karibikinsel Jamaika. «Jamaica» war ein früher europäischer Reggae, geprägt von einem stampfenden Beat, einer Countryrockgitarre und einer Bluesharp. Eigentlich alles nicht sehr reggae-like, aber irgendwie passte das – und ging gut mit Henri Hubers samtigen, aber engagierten Vocals zusammen. «Jamaica» war Ocean’s grösster Erfolg. Das Radio (damals gab es noch keinen Popsender in der Schweiz!) spielte den eingängigen Song trotz, oder vielleicht wegen seines kritischen Texts. Nun wollte die Band durchstarten, aber so richtig gelang ihr das nicht. Vielleicht einfach darum, weil Ocean zu sehr auf die Musik und zu wenig auf die Attitüde achteten.

 

Ich jedenfalls verlor die Band bald aus den Augen, und als sie sich 1983 verabschiedete, lösten auch wir unsere diversen Hippiebands auf und setzten auf punkige New-Wave-Mundart, auf den hektischen Rock von jungen, ärgerlichen Männern. Dass ausgerechnet der frühere Ocean-Bassist Higi Heilinger zum ersten Mentor unserer Band mit dem abenteuerlichen Namen «Züri West» wurde, konnte kein Zufall sein. Die «Drift Message» LP hatten wir zusammen mit anderen in unserem ersten Probelokal an der Berner Kirchenfeldstrasse. Auch wenn wir sie nie mehr spielten, war sie ein Pfad zu unserer musikalischen Vergangenheit. Frei nach dem Motto:  Lange her, aber nicht vergessen.

 

PS: Wer die Ocean-Songs (und mehr) nochmals live sehen und hören möchte: Am 7. April spielt Henri Huber im Kulturhof Schloss Köniz / Rossstall mit illustren Friends.Tickets: http://www.kulturhof.ch/

 

 

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