Bern ist langweilig?

Die Band spielt am späten Abend volle Kanne auf: Ewige Liebe – what else! Irgendwie scheint der Titel auf eine Vielzahl der tanzenden, klatschenden und begeisterten Zuhörerinnen und Zuhörer zuzutreffen. Sogar eine Mutter wiegt sich mit ihrer kleinen Tochter im Arm zum Takt der Musik. Die Stimmung im Zelt neben der Eisbahn auf dem Bundesplatz ist ausgelassen. Ausgelassen scheint eher eine Untertreibung. Levi Bo und seine Band lassen die Zeltinsassen in Ekstase verfallen. Ach ja, das Essen zuvor war auch ausgezeichnet.

 

Die allerletzten Schlittschuhläufer nutzen die Minuten vor dem Eindampfen der Eisfläche um ihre Speed-Runden zu drehen. Auch die kleinen Plastik-Robben, als „Gehilfen“ für die ungeübten kleineren Nutzer gedacht, werden letzte male gefordert. Orange Robben unter bunten Menschen auf Stahlkufen auf der glitzernden Eisfläche direkt vor dem Bundeshaus – einzigartig! Einzigartige Eisbahnen gibt es weltweit viele: vor dem Rockefeller Center oder im Central Park in New York, auf dem Rathausplatz in Wien etc. Zwei wichtige Unterschiede fallen auf: erstens sie alle kosten Eintritt, in New York 32 Dollar für 90 Minuten, und zweitens keine steht so im Zentrum der politischen Willensbildung eines ganzen Landes wie hier auf dem Bundesplatz.

 

Und dann der dritte, wirklich beindruckende Unterschied: drei Köpfe! Mario Imhof, Jimmy Hofer und Theo Bertschi sind Die Drei von der Eisbahn. Ideenproduzenten, Initianten, Organisatoren und Mittelbeschaffer in Personalunion. Und beim Abbauen gegen 22 Uhr auf der Matte und Hand anlegend – Wow. Soviel persönliches Engagement für eine tolle Sache, eintrittsfrei für alle macht die Eisbahn auf dem Bundesplatz dann endgültig weltweit einzigartig – und das Ganze notabene ohne jegliche städtische Subvention. Bern ist gar nicht langweilig!

 

Bild: Levi Bo

 

 

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