"Bern ist eine lustige Stadt"...

...sagt der traurige, junge Mann mit der schwarzen Kapuze.

 

Kabarett und Satire. Klartext reden und dazu schmunzeln. Je düsterer die Zeiten, desto mehr brauchen wir scharfsinnige Kabarettistinnen und Satiriker, die Licht ins Dunkle bringen. Wir haben Glück in Bern. Wir sind diesbezüglich verwöhnt und viele Berner und Bernerinnen wissen es (noch) gar nicht. Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, dass das Kulturlokal «La Cappella» und sein umtriebiger Gründer und Leiter Christoph Hoigné kürzlich gleich zwei typische Berner Preise erhalten haben: am Zibelemärit den Bäredräck-Preis des Bärentrusts, überreicht von Stapi Alec von Graffenried, und vor kurzem den hochdotierten Kulturpreis der Burgergemeinde.

Seit Jahren bin ich regelmässig Gast in der Cappella an der Allmendstrasse 24 im Breitenrain. Ich mag die ungewöhnliche Atmosphäre in der ehemaligen Methodistenkirche, das leckerbissenreiche Programm, die vielen Biersorten, Christophs Schokodinger mit Schweizerkreuz, das Warten im Dunkeln bis das Bühnenlicht erstrahlt – und dann das Eintauchen in die Welt von Worten, Tönen und Bildern.

 

Neulich in der Cappella: Nico Semsrott (heute-show, Die Anstalt).

 

Worte und Bilder sind auch das Thema von Satiriker Nico Semsrott. «Nico wer?», werden sich die meisten fragen. Nun, Nico Semsrott ist der traurige, junge Mann mit der schwarzen Kapuze. Besser bekannt durch viele Auftritte in Satire-Sendungen wie «heute-show», «Die Anstalt» oder früher «Giacobbo/Müller». In Deutschland füllt er mittlerweile grosse Hallen. Semsrott gewann als selbsternannter «Demotivationstrainer» zahlreiche Kabarettpreise, darunter den renommierten Deutschen Kleinkunstpreis. Zudem war Semsrott bei den Bundestagswahlen 2017 Berliner Spitzenkandidat der Partei «Die Partei». Nach einem seiner drei ausverkauften Auftritte in der Cappella im Februar 2018 sprach ich mit ihm. Unter anderem wollte ich von Semsrott wissen, was er zu den Themen «Schweizer Humor» und «Bern» zu sagen habe: «Schweizer Humor? Gute Frage. Ich finde jede Generalaussage anmassend, so wie auch Populismus anmassend ist. Satire ist eine menschenfreundliche Form von Populismus – in der Regel. Wenn heute 150 Leute da waren und es 150 Wahrheiten gab für diesen Abend, dann ist es für mich ein Spiel zu sagen, in Deutschland ist es so und die Schweizer sind so und so. Auf dieses Spiel lasse ich mich ein. Aber viele nehmen's ernster, als sie's ernst nehmen sollten – denn jede Wahrheit stimmt höchstens zum Teil.»

Auf meine abschliessende Frage, was er denn von Bern halte, antwortete Nico Semsrott spontan mit einem Beispiel… und gab uns damit auch gleich die Antwort auf die Frage nach dem Wesen des Schweizer Humors:

«Ich war in den letzten Jahren extrem oft in Bern, immer für ein paar Tage. Eigentlich ist Bern eine sehr lustige Stadt. So spielt zum Beispiel die Schweizer Nationalbank hier quasi Verstecken, so eine krass mächtige Institution. Wenn man da auf diesem Bundesplatz steht und sich dieses Häuschen ankuckt, in dem Weltpolitik gemacht wird, … das ist so absurd. Ich denke das immer wieder, wenn ich in der Schweiz bin: so ein Reichtum und dazu so ein absurdes Understatement. Das ist an sich schon lustig. Das ist Schweizer Humor.»

 

 

 

 

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