Vorfreude

Ich mag den Winter nicht. Nein, ich mag es eigentlich auch nur bedingt, wenn alles mal 5 Minuten “schön” weiss ist. Weiss ist, laut Wikipedia, wie Schwarz und Grau eine unbunte Farbe und mir gefällts halt bunt, ist einfach abwechslungsreicher. Weiss ist, so liest man weiter, zwar bei uns eine (Un)Farbe der Freude, In China dagegen ist sie Symbol für Alter, Hinterlist und Trauer. Äbe.

Ich kenne Einige, die kriegen sich vor Begeisterung kaum mehr ein, wenns schneit. Stehen schon im November in der Skikluft in den Startlöchern und/oder unternehmen frohlockend ausgedehnte einsame Spaziergänge durchs neblige Grauweiss. Ich mag das nicht. Definitiv und  ebenso wenig wie Weihnachten. Was bitte schön ist erhebend daran, durchgefroren bis auf die Thermo-Lingerie wahlweise durch den Matsch zu latschen oder bibbernd vor, statt in, der wohligwarmgemütlichen Beiz eine Zigarette zu rauchen? Was, wenn die Stadt so hoffnungslos überfüllt ist wie Woodstock und die Autobatterie leerer als mein Glas nach Beizenschluss? Ich bin ein Sommermensch und nur wirklich glücklich, wenn mir in irgend einer – warmen – Form die Sonne auf den Pelz scheint. Ich will in der Aare baden, ich will in einem Strassencafé sitzen und kühlen Weisswein trinken, ich will keine sieben Schichten am Leib tragen und ich will im Liegestuhl liegen und lesen. Dass ich das alles gerade mal gefühlte 4 Wochen von 52 pro Jahr kann, macht die Sache auch nicht besser. “Dann hau doch ab, in wärmere Gefilde” werdet ihr zu Recht einwenden. Ja klar doch, wenn das bloss so einfach wäre wie motzen...

Was mir bleibt, ist die Flucht nach vorn. Meine Strategie:

  • Nach dem Vorbild von Finn & Co. einen reduzierten Winterschlaf halten und die abendliche Aktivitäten auf ein Minimum beschränken

  • Ein Vermögen in Kerzen, Duftlampen und Lichterketten investieren

  • Ganze Batterien an tropischen “Gute Laune”-Badezusätzen zulegen

  • Mich mit Kuscheldecke auf dem Sofa installieren und mir manchmal erfolgreich einreden, das sei gemütlich

  • Dabei jede nur erdenkliche Sendung konsumieren, die im entferntesten mit Meer, Sonne und fremden Ländern zu tun hat und dabei nicht mal vor dem “Traumschiff” zurückschrecken

  • Last but not least jeden vehement ignorieren, der auf Facebook hämisch Fotos postet, die ihn/sie in einem warmen Land zeigen.
     

Einewäg. Alles hat einmal ein Ende. Der Schnee und das Jahr. Und Vorfreude – auch auf den Sommer 2018 – ist ja bekanntlich die schönste Freude – oder?

 

 

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