Ich auch?!

26/12/2017

Bisher habe ich mich aus der Sexismus-Debatte herausgehalten. Wieso? Seit dem Film „Angeklagt“ mit Jodie Foster ist unsere Gesellschaft keinen Schritt weiter gekommen. Im Gegenteil, die Fronten haben sich verhärtet. Statt miteinander einen Konsens zu suchen, ist das Misstrauen grösser geworden, was ich schade finde. Ich selber nehme ein Kompliment, als das hin, was es ist, nämlich ein Kompliment. Nicht mehr und nicht weniger. Ich habe nämlich keinen Bock, immer das Unterschwellige und Hinterhältige in einer Aussage zu suchen. Jede Berührung als sexuelle Belästigung zu taxieren, ist in meinen Augen übertrieben. Ich bin auch ein Berührungsmensch, aber wenn das Jemand nicht mag, erwarte ich, dass man es mir sagt und nicht, dass ich eine Woche später eine Anzeige am Hals habe.Wo ist die gesunde Kommunikation geblieben?


Wie auch immer, heute wurde ich Opfer der Sexismus-Debatte – ja, auch ich – oder „metoo“, wenn ihr mögt. Ich wurde nämlich zensiert, respektive ein Körperteil von mir, ein ziemlich wichtiges, meine Beine. Wie so etwas passieren kann? Dank dieser Debatte wurde ein fix fertiger Kinospot, in dem Mann, Frau und Kind, Gott behüte, meine Beine sehen konnten, entschärft. Der Kunde bekam kalte Füsse und ich werde jetzt auf mein Gesicht und meine Arme reduziert. Nie im Leben hätte ich so etwas für möglich gehalten. Ich bin die Letzte, die befürwortet, dass Frauen als Sexobjekte dargestellt werden, aber wenn jetzt meine Beine Opfer von Zensur werden, fühle ich mich beschnitten, verstümmelt und diskriminiert. Die Doppelmoral, die wir denen „änet em Teichli“ schon lange vorwerfen, hält gerade bei uns Einzug und zwar im Eiltempo. Präventiv werden Massnahmen ergriffen, damit sich Männer Frauen nicht mehr zu nah kommen können. Die Angst grassiert. Ein weiser Mann (es tut mir leid, es war keine Frau, ich hoffe, ich darf das Zitat trotzdem einsetzen) pflegt zu sagen: Angst ist ein schlechter Ratgeber. Da kann ich nur zustimmen. Besinnen wir uns doch gerade jetzt zum Jahreswechsel wieder auf das Wesentliche: Wir sind Menschen, die nur zusammen die Herausforderungen der Zukunft meistern können. In dem Sinn schöne Festtage und etwas gesunde Nächstenliebe.

 

Slavia Karlen ist Bloggerin und Inhabern von Eventcreator

 

 

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