Das Bijou im Marzili - Restaurant Marzer

Alles rundum gut. Voilà.

 

Eigentlich wäre damit alles zum neuen Restaurant Marzer gesagt, was es zu sagen gibt. Vielleicht zusätzlich höchstens noch das: Hingehen!

 

Das reicht Ihnen nicht? – Guet, hier die etwas umfangreichere Fassung. Vorab, der Marzer ist nicht leicht zu finden in den verwinkelten Gassen des Marziliquartiers, selbst dann nicht, wenn man schon mal da war. Das Autonavi dreht komplett durch – die geplanten Wegweiser zum Restaurant sind dringend von Nöten. Schade fährt das Marzilibähnli nur bis 21 Uhr zurück in höhere Gefielde Berns. Wie auch immer, ist das Ziel erreicht, freut frau sich umso mehr über den liebevoll gestalteten Eingangsbereich, das knisternde Kaminfeuer und den herzlichen Empfang. Wahrhaft eine heimelige Oase in einer kalten Winternacht dieses Beizli! Am Interieur wurde wohlweislich von der neuen Besitzerin, der KG Gastrokultur, nicht viel verändert . Erfrischend und motiviert sind hingegen die neuen Gastgeberinnen, Naima Borchert, ihre Stellvertreterin Andrea Adamina und der Küchenchef Kay Veitlbauer.  

 

Besonders gespannt waren wir auf die Umsetzung des neuen Konzeptes, sich jeweils von einem Künstler für ein mehrgängiges Menü inspirieren zu lassen. Den Anfang macht Büne Huber, der bekanntlich nicht nur ein brillanter Musiker, sondern auch ein talentierter Maler ist. Seinen Niederschlag findet Büne’s Präsenz indess nicht in physischer, sondern vielmehr in Form von Bildern, von ihm gestalteten Weinetiketten, Anekdoten, die beim Auftragen des Gangs – in unserem Fall von Andrea Adamina einer waschechten Musicaldarstellerin – erzählt werden, natürlich beim Geniessen der Menüfolge. Diese ist nicht nur optisch, sondern auch geschmacklich schlicht ein Gedicht – oder um es anders auszudrücken – so gut wie jede geniale Liedzeile des Berner Musikers. Wer mag, bucht dazu die passenden Getränke, Bier, Wein und bestellt natürlich „Wasser für Wasser“, ein Teil dessen Erlöses geht an eine Hilfsorganisation, die ein Projekt in Somalia finanziert. Statt Butter gibt’s vorneweg einen wunderbaren Quark mit Leinsamenöl und krossem Brot. In seiner Einfachheit berückend und mit Suchtpotential. Kurzum wird der „Auftakt“ aufgetischt, ein erwärmtes Geisskäsli mit Birnenchutney auf selbstgemachtem Knäckebrot. Der Gang „Niemer im Nüt“, ist eine Rotkohl-Preiselbeersuppe in der eine kleine Insel aus Meerretichmousse mit Apfel und Agaragar dümpelt, dazu wird in der Getränkebegleitung ein Holunderbier gereicht  – „Bluememeitschi“ von der Berner Brauerei Schuum. „Ludmilla“ folgt auf dem Fuss, besser auf dem Spitzenschuh, zu diesem Song inspirierte Büne eine russische Tänzerin. Ihre kulinarische Hommage besteht aus einem Rindstartar (Vegi Rüebli/Borretsch/Pirogge) mit selber eingelegten Senfsamen, dazu wird der „Gamay pour toujours“ kredenzt, ein Wein, der das ewige Vorurteil „Jamais Gamay“ Lügen straft. Sowieso, der Wein – komplett aus dem Hause Weinerlei – er besticht durchwegs nicht nur durch erlesenen Geschmack sondern auch durch liebevoll gestaltete Etiketten und originelle Namen. Der nächste heisst denn auch nicht Heida sondern „Hei Da!“, die Etikette ebenso von Büne gestaltet wie die nächste „Gutter Rote“ zum Hauptgang. Diese entstand aus einem Gekritzel des Künstlers auf einer Serviette im Restaurant lebeizli. Der Gang besteht aus einem zartschmelzenden Ossobuco, drapiert in einem Merlotjus begleitet von verschiedenem Wurzelgemüse à la „Pro Spezia rara“ und einer Gremolata. Das Dessert schliesslich trägt meinen Lieblingsnamen „Fuck Weight Watchers“ der – natürlich – vom Genussmenschen Huber stammt. Die Kalorienbombe wurde indess trotzdem entschärft und entpuppt sich als Cheesecake mit Crumble, einem Minzbaiser mit Lemon Curd und Sandornbeeren. Fazit und ein grosses Kompliment an die Küche: Unsere Geschmacksknospen jubilierten ob all dieser kulinarischen Harmonien – oder um es mit Büne zu sagen „'s isch scho so schön, dass es weh tuet“*.

 

Zur Verlosig "Im schlimmschte Fau nume es Znacht"

 

 

http://www.marzer-bern.ch/

http://www.marzilibahn.ch/index.php/fahrplan

 

*Aus „Honigmelonemond“

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