Berner Schüsseln - eine Klolumne

Beginnen wir vorsichtig: Es gibt lauschige Örtchen, da geht man des guten Kaffees wegen hin. Und es gibt gute Cafés, da geht man des lauschigen Örtchens wegen hin. 

  

Drei Jahre unseres Lebens verbringen wir angeblich auf der Toilette. Diese Hochrechnung muss bald nach oben korrigiert werden, da das Verfassen von Liebesnachrichten, Geschäftsmails und Kolumnen so manchen WC-Aufenthalt verlängert. Wie sehen die stillen Örtchen aus, auf denen wir soviel Zeit verbringen? 

Wir haben uns mit voller Blase auf die Suche gemacht und möchten euch ein paar auserwählte Schüsseln in der Berner Innenstadt nicht vorenthalten. 

 

 

Schweizerhof: Pinkeln deluxe

Auf dem Schweizerhof-WC kommt man sich vor wie Cinderella. Schade nur, dass man sich höchstens einen Cocktail leisten kann, was die Urinmenge und somit das aufs-Klo-gehen minimiert. Jedenfalls ist der Raum unglaublich elegant, was wohl vor allem der Wandhöhe zu verdanken ist. Im majestätischen Spiegel kann man sich zudem das Röckli zurechtzupfen. Für zarte Prinzessinnen-Hände gibts gratis Handcrème.

 

Turnhalle: Eine Rolle für alle 

Die WC’s in der Turnhalle sind ja ganz in Ordnung, seine Privatsphäre findet man hier aber nicht. Während man praktischerweise die letzte Rolle Papier unter der Wand durchreichen kann, ist es geräuschetechnisch so, als wäre die Wand inexistenz. Wer zu den Lautfurzerinnen gehört, muss sich hier im wahrsten Sinne des Wortes zusammenreissen. Seinen Gedanken darf man im Gegenzug auf den Wänden freien Lauf lassen: «Absurd, dass Tampons übergeben werden als wären sie Koks». 

 

Moment: Besonders langer Aufenthalt 

Das Moment gönnt dir einen Moment (witzig) zum Spielen auf dem Klo. Während sich Frauen mit Barbie unterhalten dürfen, können die Männer mit dem Gameboy Zeit vertreiben. Über Klischees wollen wir uns an dieser Stelle nicht unterhalten. Jedenfalls hat man hier eine gute Ausrede, falls es mal etwas länger dauert. 

 

Das älteste WC: Unnützes Wissen zwischendurch

Im Mittelalter waren die Toiletten in Berns Innenstadt von aussen gut erkennbar: sogenannte Abort-Erker sind noch heute zu sehen, beispielsweise im oberen Gerechtigkeitsgässchen. Kleine wie grosse Geschäfte flossen von da in den offenen Ehgräben* Richtung Aare. Dort angekommen, glaubte man an die selbstreinigende Kraft des Flusses. Kreative Handelsmänner fingen die Fäkalien vorher ab und verkauften sie als Dünger - für eine bessere Ernte. Man kann aus Scheisse eben doch Gold machen. Jedoch nicht längerfristig: später als gesundheitsgefährdend eingestuft, wurde dieser Handel verboten. Weiter im Text.

 

Kaffee Montag: Besondere Toiletten-Attraktion

Und wo wir schon im Mittelalter sind: Wer sich ein Bild von oben genannten Abwasserrinnen machen möchte, der besuche das Kaffee Montag, beziehungsweise den Toilettenraum. Was man hier gehen lässt, kann man unter seinen Füssen bestaunen - der Boden ist nämlich aus Glas, mit freier Sicht auf einen der ältesten Kanäle der Berner Innenstadt. So kann man seinen Ausscheidungen also nachwinken, bis sie in der Dunkelheit verschwunden sind.  

 

Auf der Suche: Dichte Wände von Decke bis Boden 

Unser Verdauungssystem ist weniger verklemmt als wir; was raus will, kommt raus. Und das nicht immer auf leisen Sohlen, was uns einen Walk of shame an der Warteschlange vorbei bescheren kann. Also: wo um Himmelswillen stehen die schalldichten WC’s mit Vogelgesang und Blütenduft? Und überhaupt: Wann gibts endlich Toiletten mit Wifi und Ladekabel? Kann ja nicht sein, dass sich der Akku noch vor der letzten Wurst verabschiedet.  

 

Was meinst du, welche Schüsseln gehören erwähnt? Wir sind dankbar für Tipps und halten die Liste gerne aktuell. mail@baernbox.ch oder Bärnforum auf Facebook

 


*Ehgräben: Die Abwasser-Rinnen aus dem Mittelalter sind noch heute Bestandteil des städtischen Kanalisationsnetzes. Die Vorsilbe Eh leitet sich vom mittelhochdeutschen «ê» ab, was «Gesetz» bedeutete. Ein Ehgraben diente also zur Markierung von gesetzlichen Grundstücksgrenzen - und eben zur Abwasserentsorgung.

  

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